Samstag, 11. Mai 2013

Queens - Schwule Mütter ohne Nerven (Reinas)

Überdrehte spanische Farce von Manuel Gomez Pereira ("Die Last mit der Lust"), der seine fünf Hauptdarstellerinnen Marisa Paredes, Carmen Maura, Veronica Forque, Mercedes Sampietro und Bettiana Blum als attraktiv-provokante, reife Frauen präsentiert und eine Lanze für aufregenden Sex auch im fortgeschritteneren Alter bricht. Die Verbeugung vor Spaniens Regiemeister Pedro Almodóvar - bei dem Paredes, Maura und Forque tragende Rollen spielten - erreicht einen komischen Höhepunkt, wenn Paredes' Schauspielerin mit "Almodóvars Maura" verwechselt wird. Dieser bunte und überdrehte Slapstick ohne jegliche Berührungsängste war in Spanien ein großer Kinohit und ist ein wahres Fest für alle Freunde des gepflegten Durcheinanders.

Sonntag, 28. April 2013

Hamam - Das türkische Bad

Regisseur Ferzan Ozpetek schafft mit seinen atmosphärischen Bildern der türkischen Hauptstadt und gutem Gespür für die Besetzung der Rollen eine anziehende Geschichte von der Entdeckung des Zustandes persönlichen Glücks. Er erzählt von dem sich-Zeit-nehmen, dabei sein eigenes Tempo zu finden und sich von einer Gemeinschaft auffangen zu lassen. Das sensible, detailgenaue Drama handelt zum einen vom Zusammenprall zweier Kulturen, zum anderen vom sexuellen Erwachen eines italienischen Karrieristen. Vor dem Hintergrund der Millionenmetropole Istanbul entsteht so ein mysteriöses, emotionsgeladenes Porträt einer für westliche Augen fremdartigen Welt. Ein auch optisch überzeugendes Film-Juwel, das Cineasten begeistert annehmen werden.

Samstag, 20. April 2013

Frühstück mit Scot

„Frühstück mit Scot“ ist ein warmherziger Film über emotionale Bindungen und den Umgang mit der eigenen Identität, wo die Charaktere bei einigen Wendungen eine lehrreiche Entwicklung durchmachen. Die Geschichte vom unverhofften Neuzugang, der eine Familie auf den Kopf stellt und schließlich doch ins Herz geschlossen wird, ist alles andere als neu, besticht aber durch die eher ungewohnte Verlagerung in die homosexuelle Sparte. Eine Sensation und eine Kontroverse war es, als Toronto Maple Leafs, der größte Eishockeyverein Kanadas, 2006 als erster Ligasportclub überhaupt einer Filmproduktion mit homosexueller Thematik erlaubte, das Vereinslogo, die Trikots und einiges anderes zu benutzen. Überaus erfrischend ist Jungdarsteller Noah Bernett, der den verzauberten Scot absolut hinreißend spielt.

Samstag, 13. April 2013

Die Abenteuer des Sebastian Cole

"Die Abenteuer des Sebastian Cole" ist eine gut beobachtete, stimmungsvolle Coming-of-Age-Tragikomödie der ambitionierten Sorte. Regisseur Tod Williams beschreibt in seiner Geschichte die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens, wenn elterliche Vorbilder fehlen und sonstige Identifikationsfiguren auch nur begrenzt vorhanden sind. Dass der Film so gut funktioniert liegt neben der soliden Inszenierung und der ungewöhnlichen Geschichte vor allem an den beiden charismatischen Hauptdarstellern, Adrian Grenier als Sebastian und Clark Gregg als Hank Alias Henrietta. Adrian Grenier verkörpert den sensiblen Schüler mit Leib und Seele, immer sympathisch und nachvollziehbar. Auch Clark Gregg bringt seine Rolle mit viel Gefühl auf die Leinwand und überzeugt sowohl als Mann, wie auch als Frau.

Samstag, 30. März 2013

Das Ende des Regenbogens

Der 1979 als Debütfilm entstandene Film „Das Ende des Regenbogens“ von Uwe Friessner überzeugt durch seine raue und realistische Story. Das Milieu wird eindringlich und ohne allzu viele Klischees geschildert und auch, wenn einige Dinge durch den zeitlichen Abstand betrachtet, etwas lächerlich wirken, so hat der Film wenig von seiner Aktualität verloren. Der Film ist mit Schauspielern wie Heinz Hoenig und Udo Samel sehr gut besetzt, insbesondere der junge Thomas Kufahl glänzt in seiner Rolle als Stricher Jimmi, und verleiht dem Film eine schier unglaubliche Authentizität. Zudem gibt die schnörkellose Kameraführung und die geradlinige Inszenierung dem Film einen dezenten Dokumentar-Hauch, der sich aber niemals auf die cineastische Qualität auswirkt, sondern eher noch die eindringliche Wirkung des Films verstärkt.

Donnerstag, 21. März 2013

Get Real - Von Mann zu Mann

Get Real ist ein britisches Coming-Out-Drama aus den späten 90ern. Wenn man bedenkt, daß Schwule in England bis vor einigen Jahren ins Gefängnis wandern konnten, gewinnt Regisseur Simon Shores Debutfilm über das sexuelle Erwachen des 16jährigen Steven noch mehr Gewicht, als durch die hochsensible, ernsthafte, kluge und bei allem Anliegen humorvolle Erzählweise selbst schon gegeben ist. Shores streng funktionale Inszenierung, die den hervorragenden jungen Schauspielern Raum für die Ausschöpfung ihres darstellerischen Potentials läßt, überwindet dabei weitgehend die Beschränkungen des zugrundeliegenden Theaterstücks von Patrick White. Für aufgeschlossene Programmkinos dürfte die Story um Selbstfindung und Selbstachtung, Würde und Toleranz ein Film nach Maß sein.


Samstag, 23. Februar 2013

Ich, Tomek

"Ich, Tomek" skizziert unspektakulär aber kompromisslos die Geschichte eines Jugendlichen, der von seinen Bezugspersonen ignoriert, eine Karriere vom Stricher zum Kriminellen durchläuft. Regisseur Robert Glinski erzählt die Entwicklung von Tomek, dem aufgeweckten Sternenkucker, zum Swinka, einem Schweinchen – Umgangssprache für jemanden, der sich verkauft – vielleicht ein wenig zu rasant. Vor allem den Part, in dem Tomek selbst zum korrupten Zuhälter wird. Filip Garbacz, der den Tomek mimt, fängt das geballte Tempo jedoch beachtlich ab, mit seiner eindringlichen und doch sehr zurückhaltenden Darstellung eines unschuldigen, 14-jährigen Grünschnabels mit zu viel Gel in den Haaren, der innerlich zerbricht und dadurch vom Verratenen zum Verräter wird.


Donnerstag, 14. Februar 2013

The Stranger In Us (OmU)

Regiseur Scott Boswell erzählt mit diesem Film eine Geschichte über ausgelebte Sexualität, Großstadteinsamkeit und das Loslassen von Partnerschaften, die nur zur Verdammnis taugen. Jeder will raus, alle wollen geliebt werden. So simpel, so gut – Boswell erzählt authentisch, hat gute Darsteller gefunden und zeichnet seine Figuren nicht schwarzweiß. Anthony, der Nachwuchsschriftsteller, nervt anfangs durch seine Schwäche, aber er macht eine Entwicklung durch. Der hübsche Stricher Gavin tritt eher einen Gang zurück am Ende, was man schade finden kann, vielleicht hätten die beiden auch... Aber genau diese Flüchtigkeit ist es, die Boswells Debüt so greifbar, so glaubwürdig macht. Das Glück liegt längst nicht mehr auf der Straße. Oder wie Gavin es so bewegend erkennt: „Man muß sich so verdammt viel selbst beibringen!“


Samstag, 19. Januar 2013

Alex und der Löwe

So richtig viele schwule Filme kommen nicht aus Deutschland, was vielleicht daran liegt, dass man diesem Genre nicht sonderlich viel zutraut. "Sommersturm“ bewies eindrucksvoll, dass es auch anders geht und solche Filme, wenn sie denn richtig gedreht werden, durchaus auch das Potential haben ihr Publikum zu finden. André Schneider, der hier den Alex spielt, schrieb auch das Drehbuch und fungierte als Produzent. Vor allem das Skript zeigt, wie kreativ und urkomisch man heute arbeiten kann. Hier kann man bei herrlich vielen Szenen wunderbar lachen. Besonders Udo Lutz, der Darsteller des tuntigen Tobi, ragt positiv heraus. Auch wenn Kameraführung und Besetzung bei einigen Kritikern denkbar schlecht wegkommen ist "Alex und der Löwe" kurzweiliges, pointiert gedichtetes, international konkurrenzfähiges Gay Cinema aus deutschen Landen.


Mittwoch, 26. Dezember 2012

The Boys Of St. Vinvent - Schrei nach Hilfe (Teil1)

Der kanadische TV-Zweiteiler ist inspiriert von einem wahren Fall. In einer beklemmenden Darstellung werden die Mechanismen aufgezeigt, wie die Allmacht der Kirche zusammenwirkt mit der krankhaften Verirrung der dort Freiraum findenden Triebtäter und der Hilflosigkeit der ihnen ausgelieferten Kinder. Der mehrfach ausgezeichnete Film behandelt das leider sehr aktuelle Thema um die Misshandlung von Schutzbefohlenen hinter den dicken Mauern von Kircheneinrichtungen. Regisseur John N. Smith hat die Geschichte sehr sensibel in Szene gesetzt und ein beängstigendes Psychogramm des Täters zusammengestellt. In schwer zu ertragenden Szenen wird der Zuschauer mit den Grausamkeiten konfrontiert, die dem kleinen Kevin durch Bruder Lavin angetan werden. Entstanden ist ein beklemmender TV-Zweiteiler, der keinen Zuschauer kalt lässt.



Sonntag, 16. Dezember 2012

The Houseboy - Drei sind zwei zuviel (OmU)

"The Houseboy" ist eine Very-Low-Budget-Produktion, die sich authentisch und realitätsnah auch mit dem Thema Einsamkeit und Depression eines homosexuellen, jungen Mannes auseinandersetzt. Der Indie-Streifen spielt bezeichnender Weise ausgerechnet in der Weihnachtszeit. Erzählt wird die Geschichte eines Jungen Mannes, der als "Spielzeug" eines langjährigen schwulen Paares von seinen Liebhabern über Weihnachten in deren Wohnung als Housesitter zurückgelassen wird. Entstanden ist eine liebenswerte, warmherzige Geschichte, welche die Suche des jungen Mannes nach Freundschaft und Nähe erzählt. Die jungen, unverbrauchten Darsteller liefern einige für die Altersfreigeabe ungewöhnlich freizügige Szenen, letztendlich ist "The Houseboy" aber doch ein Film, der durch seine Realitätsnähe zu Herzen geht.



Dienstag, 4. Dezember 2012

Permanent Residence (OmU)

Mit dem autobiographisch gefärbten Film "Permanent Residence" lotet Regisseur Scud (alias Danny Cheng Wan-Cheung) die Beziehung zwischen einem Homosexuellen und einem Hetero aus. Die beiden heissen Windson und Ivan, oder chinesisch Wind und Wolke. Ivan ist Scuds Alter Ego und wird vom heterosexuellen Newcomer Sean Li verkörpert. Die beiden Hauptdarsteller präsentieren sich hüllenlos von vorne - etwas, was im Hongkong-Kino nicht gerade alltäglich ist. Doch nackte Männer alleine machen freilich noch keinen Film. Im Zentrum steht vielmehr die einseitige Liebe des einen und die neckische Freundschaft des anderen. Daraus entsteht Verlangen und homoerotisches Knistern. Zudem sorgt diese Körperlichkeit dafür, dass "Permanent Residence" von Beginn weg einen narzisstischen Unterton hat.



Donnerstag, 22. November 2012

Noordzee Texas (OmU)

Bavo Defurnes Spielfilmdebüt ist "kein hartes Sozialdrama über einen vernachlässigten Jungen". Der belgische Regisseur will "die Zuschauer durch Schönheit berühren". Und das gelingt ihm auf nahezu magische Weise. Held der Geschichte ist der 15-jährige Pim, der sich in den attraktiven Nachbarsjungen Gino verliebt, während er von seiner Mutter - einer früheren Schönheitskönigin, die nachts in Kneipen Akkordeon spielt und sich mit den Gästen amüsiert - oft allein gelassen wird. Die Bilder dieses zarten, im stimmungsvollen Retro-Look inszenierten Films erinnern in manchen Szenen an amerikanische Roadmovies. In der behutsamen Inszenierungsweise Defurnes, und seinem unverkennbarem Blick für schöne Details und ausdrucksstarke Bilder, ein wunderschöner Coming-Out-Film.


Sonntag, 18. November 2012

Michael

"Michael" ist ein ruhiger, präziser Film, der ein unglaublich schwieriges Thema aufgreift und es nahezu perfekt umsetzt. Markus Schleinzer gelingt es ausgezeichnet den Zuseher in die Welt eines Pädophilen zu versetzen. Es ist ein bitteres, schwermütiges und ganz schwieriges Thema dessen sich "Michael" annimt. Und genau als solches inszeniert es Markus Schleinzer auch. Er versucht nicht etwas zu vereinfachen oder aufzulockern, was man bei diesem Thema auch einfach nicht darf. Deshalb ist "Michael" naturgemäß auch kein einfacher Film. Es ist ein bittere Pille, die nicht unbedingt leicht zu schlucken ist, aber gerade in Anbetracht seiner subtilen Kraft und seiner nachhaltigen Wirkung ist Michael ein äußerst lohnender und bewegender Film, der auch lange nach dem Ende des Abspanns noch nachhallt.