Samstag, 26. Februar 2011

Gossenkind

Der Film Gossenkind des österreichischen Schauspielers, Regisseurs und Produzenten Peter Kern ist nichts für zarte Gemüter. Kern führt uns mit der Poesie eines Fassbinders und dem Dilletantismus eines Praunheim in die ungeschönte, brutale Realität einer asozialen Unterschichtfamilie und der Subkultur der Stricherszene, die sich vor den geschlossenen Augen einer Gesellschaft abspielt, die nach und nach emotional und sozial zu verarmen droht. Dabei wird von Kern die Handlung stellenweise bewusst und provokativ überzeichnet. Der Hintergrund der Geschichte ist ein Mosaik von Familiengewalt, sexueller Mißbrauch von Jugendlichen, Rassismus, Armut und Kriminalität. Trotz der für heutige Verhältnisse recht dürftigen Bild- und Tonqualität sollte dieser Film in keiner ernsthaften Sammlung von Filmen über Homosexualität fehlen.

Sonntag, 20. Februar 2011

Rückenwind

"Rückenwind" ist aus einer vagen Idee entstanden, gedreht wurde er innerhalb von nur zwei Wochen ohne Drehbuch in der brandenburgischen Provinz. Der Filmemacher Jan Krüger ist zu diesen Dreharbeiten wie die Protagonisten seines Films als Suchender aufgebrochen. Mit einem sehr kleinen Team, aus dem vor allem die wunderbare Kamerafrau Bernadette Paaßen eine ganz besondere Erwähnung verdient, begab sich Krüger auf die Suche nach Bildern, in der Hoffnung auf besondere Momente und offen für alles, was sich gleichsam nebenbei ergeben könnte. Eine konventionelle Erzählung nach Drehbuch bietet „Rückenwind“ also nicht. Dafür erlaubt er dem Zuschauer einen anderen Blick auf die Geschehnisse: Wie die Figuren des Films und wie der Regisseur muss sich auch der Betrachter auf Entdeckungsreise begeben und dem Vorgefundenen selbst etwas abgewinnen.


Donnerstag, 17. Februar 2011

From Beginning To End

Erfrischend direkt erzählt der brasilianische Regisseur Aluisio Abranches in diesem Film die Geschichte einer innigen Bruderliebe, die weit über die übliche Zuneigung unter Geschwistern hinausgeht. "From Beginning To End" ist ein wirklich schöner Film mit einer heiklen Thematik, der homosexuellen Liebe zweier Halbbrüder. Abranches ist es gelungen diese Geschichte sensibel und ohne erhobenen Zeigefinger oder Provokaton, als eine aussergewöhnliche Liebesgeschichte zu inszenieren. In geschmackvollen Bildern erzählt er von einer Liebe wie anderen auch. Dabei ist auch Platz für Webcamsex und Romantik, ohne aber daß diese Szenen in Peinlichkeit oder Kitsch abdriften würden. Dieser Streifen galt in Brasilien als "Skandalfilm" und wirbelte bei namhaften Festivals so einigen Staub auf.

Mittwoch, 16. Februar 2011

Sebastian - Freundschaft oder Liebe ?

Das Coming-Out-Movie Sebastian thematisiert völlig ungezwungen und frisch Familie, Homosexualität, Liebe und Freundschaft und plädiert dafür, gemeinsam zu lernen, eigene Wege zu gehen. In einer Schlüssellszene richten Sebastian und sein "Schwarm" Ulf in der Wohnung der Eltern ein Chaos an, das zu einer Aussprache und letztendlich dann auch zu Sebastians Outing führt. Ein  fantastischer Film, in dem es über das Erwachsen werden, die Selbstfindung eines 16-jährigen und die erste Liebe geht. Hier wird eine einfache und klare Botschaft vermittelt: Wir können unseren Kindern und Klassenkameraden das Leben viel leichter machen, wenn wir ihnen klar machen, daß Homosexualität nicht das Ende der Welt, sondern voll Okay ist. Der umwerfend hübsche Hauptdarsteller Hampus Björck spielt die Rolle des Sebastian absolut glaubwürdig.

Samstag, 12. Februar 2011

Cowboys And Angels

Der preisgekrönte Theaterautor David Gleeson erzählt in seinem tragikomischen und bewegenden Spielfilmdebüt von der Identitätsfindung und den Befindlichkeiten eines heranwachsenden Heterosexuellen, für den der schwule Freund zum Vorbild wird. Zwar bedient sich Gleeson dabei sämtlicher schwuler Klischees, es gelingt ihm aber auch, diese am Ende vollkommen zu widerlegen. Trotz der bedienten Klischees bleibt das Ganze unterhaltsam und äußerst frisch, und macht irgendwie gute Laune - auch wenn die Jungs allesamt so aussehen, als kämen sie gerade vom letzten Boygroup-Casting. In den Hauptrollen begeistern Michael Legge sowie Alan Leech in einer sympathisch-turbulenten Geschichte, die nicht nur den schwulen Filmfreund mitreißen kann.

Dienstag, 8. Februar 2011

L.I.E. - Long Island Expressway

Was der US-Amerikanische Filmregisseur Michael Cuesta in diesem Film für die eigentlich recht prüden amerikanischen Verhältnisse ungewöhnlich offen und realistisch in Szene setzt, ist zum einen die Geschichte eines wohlstandsverwöhnten Jungen, der sich von seiner Clique aus Langeweile zu Einbrüchen anstiften lässt, aber auch die Geschichte eines alternden Mannes der auf Jungs steht. Überraschend gut sind die schauspielerischen Leistungen aller Beteiligten angesichts des heiklen Themas. Auffallend ist auch die Detailtiefe, mit der in kürzester Zeit aus den gelangweilten Kids vollständige Charaktere entstehen. L.I.E. will Diskussionsstoff liefern. Dazu wählte man maximale Extreme. Doch man sollte niemals vergessen, dass gerade in den am wenigsten extremen Dingen die bedeutendsten Aussagen versteckt sind.


Mittwoch, 2. Februar 2011

Longtime Companion - Freundschaft fürs Leben

Auf den ersten Blick kommt diese Produktion aus dem Jahre 1990 daher wie einer der typischen amerikanischen Hochglanzpornos von Falkon, mit sauber gescheitelten Betonfrisuren der Darsteller und schwülstigen Dialogen. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich das ernste Thema dieses Films. Es geht um die erstmals im Sommer 1981 von der New York Times veröffentlichten Artikel über eine geheimnisvolle neue Krankheit, die sich unter den Homosexuellen auszubreiten scheint. Zu diesem Zeitpunkt sprach man noch von einer Art "Schwulenkrebs", ihren Namen "Aids" bekam diese Krankheit erst später. Der Film schildert durchaus sehr einfühlsam das Leben und den Umgang einer schwulen Clique mit dieser tödlichen Bedrohung, zuweilen in krassen, aber auch der Sache angemessenen Bildern.