Mittwoch, 30. November 2011

You Are Not Alone (OmU)

“You are not alone” ist ein sensibles Drama über Jugendliche an der Schwelle zum Erwachsenwerden und die selbst noch nicht wissen, wohin sie ihr Weg führen wird. Ein Film, der in ruhigen und schönen Bildern völlig wertfrei eine wichtige Geschichte über Selbstbestimmung und jugendliche Rebellion erzählt, die auch noch 30 Jahre nach seiner Entstehung den Zuschauer in seinen Bann ziehen wird. “You are not alone” sollte in jeder Schule im Rahmen des Aufklärungsunterrichtes gezeigt und anschließend darüber diskutiert werden. Die Thematik des Heranwachsens hat ja schlussendlich jeder schon einmal erlebt und jeder hat wohl seine eigene Geschichte zu erzählen. Lasse Nielsen Werk zeigt in seinem Film einige dieser Geschichte und es ist ihm damit ein Klassiker des Jugendfilms gelungen, den man schon gesehen haben sollte.




Sonntag, 27. November 2011

House Of Boys

Homosexualität und HIV sind auch heute noch brisante Themen, doch in weiten Teilen der Gesellschaft herrscht mittlerweile im Umgang mit Aids eine Art neue Sorglosigkeit. Mit diesem Film ist dem Luxemburger Regisseur Jean-Claude Schlim ein Queer-Drama gelungen, das dieser Tendenz entgegenwirkt. Der Film beginnt als stimmungsvolles  Sittenportrait des schwulen Amsterdam in den 80ern, wird im weiteren Verlauf zu einer rührenden Liebesgeschichte, um dann als Drama zu enden. Mit Gossencharme vereint die Geschichte vom Erwachsenwerden große Gefühle, schräges Kabarett, heiße Disco-Musik sowie nackte Männerkörper zu einem tabulosen Bildnis einer vergangenen Parallelwelt. Auf etwaige Befindlichkeiten und Berührungsängste heterosexueller Zuschauer wird keine Rücksicht genommen.

Dienstag, 15. November 2011

NAPOLA - Elite für den Führer

Filme über die Auflehnung des Einzelnen gegen ein absolutistisches System gibt es viele. Napola ist hier jedoch etwas ganz besonderes. Regisseur Dennis Gansel vereint in diesem Film über die Eliteschulen der Nazis Geschichte, Systemkritik, Coming-of-age- Drama und das Thema Freundschaft, und zwar ohne Pathos, unverfälscht und sehr authentisch. Dies ist sicherlich auch den tollen Leistungen aller Schauspieler zu verdanken, andererseits aber auch den feinen Kulissen und dem fantastischen Storyboard. Dabei nimmt in diesem Film die Emotionalität besonderen Raum ein, vom Mitgefühl zu den schikanierten Internatsschülern bis hin zur absoluten Abscheu gegen die Skrupellosigkeit der Anführer und der blinden Vernichtungswut der Vertreter des Hitler-Regimes. Napola ist ein Schmuckstück des deutschen Films.


Samstag, 12. November 2011

Das Kuckucksei - Torch Song Trilogy

Das Kuckucksei ("Torch Song Trilogy") basiert auf dem gleichnamigen Broadwaystück und ist eine sehr gelungene Verfilmung, die dank der großartigen Darsteller (Anne Bancroft, Harvey Fierstein, Matthew Broderick) nicht nur unterhaltsam ist, sondern auch mit sehr viel Humor die gesellschaftlichen Verhältnisse in den achtziger Jahren porträtiert und ernste Untertöne aufweist. Nicht zuletzt ist dieser Film wegen der großartigen Anne Bancroft sehenswert, die als konservative jüdische Mutter allen anderen die Show stiehlt. Herausragend an dem Film ist ausserden, daß er  in einer Zeit, in der Schwulsein eigentlich meist nur mit sterbenden AIDS-Kranken verkauft werden konnte zeigt, daß es viel mehr Normalität, viel mehr Zärtlichkeit, Streitigkeiten, Spaß und Probleme in einem schwulen Leben gibt, als es vom Mainstream meist wahrgenommen wird.


Mittwoch, 9. November 2011

Abendanzug - Tenue de soirée

Die Plakate in Paris verkündeten damals, dass "Abendanzug" ein wahrer Lichtblick sei, ein weiterer eben von Regisseur Bertrand Bliers zynischen, abenteuerlichen Streifzügen in die Welt der farbenprächtigen Satire. Mitte der 80-er inszenierte Blier diese bitterböse "ménage à trois" und scheute sich auch nicht, Frauenfeindlichkeit zu zeigen. "Eine brillant gespielte und wirkungsvoll inszenierte Komödie, die grelle Schlaglichter auf die Gesellschaft und zwischenmenschliche Machtstrukturen wirft", lobte das "Lexikon des Internationalen Films" Bliers deftiges Werk. An ebenso ordinären wie obszönen Dialogen ließ es der Filmemacher zur Freude Depardieus, der die Rolle mit Begeisterung annahm, übrigens nicht mangeln. Der fast ausnahmslos im Studio gedrehte Film war 1986 einer der erfolgreichsten Filme im französischen Kino.

Freitag, 4. November 2011

Yossi & Jagger - Eine Liebe in Gefahr

Regisseur Eytan Fox hat Yossi & Jagger ursprünglich für einen Kabel-TV-Sender gedreht, bei seiner Kinoauswertung wurde der Film in Israel zum Hit. In der Darstellung des Militärs fanden sich viele junge Israeli wieder, und die Liebesgeschichte wurde international auf Festivals interessiert aufgenommen. Durch seine Nähe zu den Protagonisten und den intensiven Blick auf ihre emotionalen Verstrickungen, durch die gelungene Charakterzeichnung und die überzeugende Stimmung ist der Film auf jeden Fall faszinierend. Der Film hatte trotz seines Themas viel Erfolg in Israel. Yehuda Levi, der Jagger spielt, ist in Israel als Star und Teenieschwarm bekannt. Yossi & Jagger wurde mit zahlreichen Preisen prämiert, u. a. beim Verzaubert International Queer Filmfestival 2003 als Bester schwuler Spielfilm.

Dienstag, 1. November 2011

Autopsy - Bis dass der Tod uns scheidet (OmU)

Autopsy ist ein schwules Coming-Out-Drama in Gestalt eines harten Kriminalthrillers, spannend gedreht wie ein Hollywood Film und doch viel näher an der Realität. Ein ungewöhnliches Setting (hartgesottener Bulle verliebt sich in einen attraktiven Pathologen) macht diesen spannenden Krimi aus Frankreich zu einem außergewöhnlichen, aber auch verstörenden Film: Hauptdarsteller Stéphane Freiss spielt einen knallharten, homophoben Polizeimacho, der in den Strudel seiner Gefühle gerät, als er während der Autopsie der Leiche eines schwulen Medizinprofessors plötzlich in Ohnmacht fällt, und in den darauf folgenden Tagen verwirrt feststellen muss, dass ihm der offen schwule Arzt Emmanuel nicht mehr aus dem Sinn geht. Auch die anderen Schauspieler überzeugen.