Montag, 30. Juli 2012

Romeos - anders als du denkst

Das Thema Transsexualität führt in der breiten Öffentlichkeit und auch im Kino ein Nischendasein. Regisseurin Sabine Bernardi erzählt in ihrem ersten langen Spielfilm „Romeos" einfühlsam von Lukas, der als Miriam zur Welt kam, und dem schwierigem Leben mit dem Wissen, im falschen Körper geboren worden zu sein. „Romeos" ist ein bewegendes Drama über Konflikte und Identitätskrisen, über den Taumel der Gefühle und über wahre Freundschaft. Ein Film wie „Romeos" steht und fällt mit der Glaubwürdigkeit seiner Hauptfigur. Lukas - grandios dargestellt durch den grossartigen Rick Okon - erscheint hier von Anfang an als sympathischer junger Mann und sein Kampf um ein unbeschwertes Leben mit seiner wahren Identität wird geschickt nachvollziehbar gemacht.

Freitag, 27. Juli 2012

Das wahre Leben

Auch wenn Regisseur Gsponer boshaft und mit unverhohlener Freude an der Gewalt das falsche Familienkonstrukt, das Vater Spatz so verzweifelt hochzuhalten versucht, zum Einsturz bringt – im Innersten folgt seine Tragikomödie wie Hans-Christian Schmids "Nach Fünf im Urwald", Ang Lees "Eissturm" und andere Filme des Genres einem therapeutischen Impetus: Die Familie kann nur überleben, wenn sie sich ab und zu selbst zerstört. Ist die Sippschaft nämlich erstmal ruiniert, lebt's sich völlig ungeniert. Dass bei aller Lust an der Demontage genormter Familienmodelle keine der Figuren entstellt wird, sondern dass sie vielmehr noch in ihren groteskesten Verrenkungen als Sympathieträger funktionieren, macht die erstaunlich Reife dieses Nachwuchswerkes aus.

Montag, 23. Juli 2012

Hard Pill - Auf welcher Seite willst du stehen ? (OmU)

Anhand einer Idee, die auch für eine trashige Komödie oder einen Horrorfilm getaugt hätte, macht sich Regisseur John Baumgartner so seine Gedanken über die Situation des Homosexuellen in der freien Gesellschaft und die Versuche, ein besseres Leben im vermeintlich falschen zu finden. Pointierte Dialoge und glaubwürdige Alltagsszenen verleihen der schrägen Prämisse Kraft, und die schauspielerischen Leistungen können sich nicht nur für die Verhältnisse eines schwulen Indie-Dramas sehen lassen. Tatsächlich schafft es Baumgartner nicht nur glaubhaft zu sein, sondern auch mit viel Sensibilität und echten Gefühlen eine ergreifende und authentische Geschichte zu erzählen. Beim Seattle Lesbian & Gay Film Festival wurde John Baumgartner als bester neuer Regisseur für "Hard Pill" ausgezeichnet.

Dienstag, 10. Juli 2012

Buffering - Es wird geladen (OmU)

"Buffering" wurde im Sommer 2010 in nur 12 Tagen in Bristol gedreht, mit kleinem Budget aber offensichtlich viel Enthusiasmus & Spass. Herausgekommen ist eine flotte unterhaltsame Handlung, zum Teil recht trashig, aber nie albern oder gar peinlich. Alle Darsteller sind mehr oder weniger unbeschriebene Blätter, zum großen Teil aber durchaus lecker anzuschauen. Die Altersfreigabe FSK-16 kommt nicht ganz von ungefähr. Gänzlich nackte Tatsachen sind aber spärlich gesät. Der Film wurde im Januar 2011 auf dem schwul-lesbischen Filmfestival “Festival del Sol – Gran Canaria“ mit dem Preis für das beste Drehbuch ausgezeichnet. Es ist der Beweis dafür, dass man aus einem offensichtlich geringen Budget und einer relativ simplen Story einen unterhaltsamen und überraschend gehaltvollen Independent-Film zaubern kann.