Donnerstag, 25. Oktober 2012

Seeing Heaven (OmU)

Die Filmzeitschrift "SISSY" schreibt dazu: "Seeing Heaven ist das Verkopfteste, was im Moment zu haben ist." Damit ist im Prinzip schon alles gesagt, denn verkopft ist der Film in der Tat. Er macht es einem auch nicht gerade leicht, aber wenn man sich tatsächlich auf die Geschichte einlässt, dann hat er wirklich einige starke Momente und kann durchaus überzeugen. Leider gelingt das nicht über die ganze Laufzeit, denn die eigentlich gute Idee der Suche des jungen Paul nach sich selbst, wurde nicht sehr glücklich umgesetzt. Der junge Hauptdarsteller ist optisch gut besetzt, aber er wirkt immer ein bisschen zu statisch, wirkliche Emotionen nimmt man ihm nicht so recht ab. Was den Film rettet, das sind die Darsteller, die zwar nicht unbedingt durch ihre Schauspielkunst auffallen, aber dafür sehr sympathisch sind.


Mittwoch, 17. Oktober 2012

Herzensbrecher - Les amours imaginaires

"Herzensbrecher" ist das Nachfolgewerk des von  den Kritikern auf den Filmfestspielen in Cannes 2009 hochgelobten Werkes "I KIlled My Mother" des jungen, francokanadischen Ausnahmetalents Xavier Dolan, der auch in diesem Film wieder mit Hauptrolle, Regie, Drehbuch, Produktion und Kostümdesign alle Schlüsselpositionen übernahm, und das mit gerade mal 21 Jahren. Dabei fängt Dolan die kleinen und großen Blamagen des Verliebtseins, und das Balzverhalten junger Großstädter in unglaublich ausdrucksstarken und witzig peinlich entlarvenden Bildern ein. Alles in "Herzensbrecher" ist Oberfläche, Glamour, Style, Kitsch und stets wunderhübsch anzusehen. "Les amours imaginaires" ist intelligentes, junges Kino, und man wünscht sich, dass dieser junge Mann namens Xavier Dolan noch etliche weitere Filme dreht.


Samstag, 13. Oktober 2012

Parada

"Parada" war 2011 ein Riesenerfolg auf dem Balkan. Mit seiner gesellschaftskritischen Komödie zog der serbische Regisseur Srdjan Dragojevic dort über 500.000 Zuschauer in die Kinos, und das, obwohl Homosexualität in Serbien alles andere als toleriert ist.  "Parada" handelt von einem schwulen Paar, das in Belgrad trotz massiver Widerstände durch rechte Schläger, aber auch von staatlicher Seite, eine Gay Pride Parade abzuhalten versucht. Dass ausgerechnet ein brutaler Kriegsveteran zum Garanten ihrer Sicherheit wird, gehört zu den vielen absurd-komischen Wendungen des Films. „Parada" ist vollgestopft mit politischen Anklagen und versetzt mit reichlich grenzüberschreitend-schwarzem Humor, ganz ohne das sonst übliche Gutmenschen-Pathos vieler westlicher Problemfilme.


Freitag, 5. Oktober 2012

Amphetamin (OmU)

In seinem dritten und gewohnt bildgewaltigen Spielfilm zelebriert Hongkongs kontroverser Regiekünstler Scud  vor eleganten City-Kulissen eine einfühlsame Liebesgeschichte zwischen zwei schönen, jungen Männern, die außer erotischem Verlangen füreinander zunächst wenig zu verbinden scheint. Psychosen, Drogen und Todesfälle schaffen  Dramatik, Stürze aus großer Höhe sind die Metapher der Stunde, und die verspielte Inszenierung verträgt sich gut mit der verträumten Note des Films. Die Atemlosigkeit, mit der Scud von den brüchigen und hybriden Existenzen erzählt, transportiert vor allem ein Lebensgefühl – das der Rauschhaftigkeit und Vergänglichkeit, der Flexibilisierung als Folge der Globalisierung, die aus allen Menschen Mischwesen macht, die sich beinahe jeder Identität und Identifizierbarkeit entziehen.