Donnerstag, 22. November 2012

Noordzee Texas (OmU)

Bavo Defurnes Spielfilmdebüt ist "kein hartes Sozialdrama über einen vernachlässigten Jungen". Der belgische Regisseur will "die Zuschauer durch Schönheit berühren". Und das gelingt ihm auf nahezu magische Weise. Held der Geschichte ist der 15-jährige Pim, der sich in den attraktiven Nachbarsjungen Gino verliebt, während er von seiner Mutter - einer früheren Schönheitskönigin, die nachts in Kneipen Akkordeon spielt und sich mit den Gästen amüsiert - oft allein gelassen wird. Die Bilder dieses zarten, im stimmungsvollen Retro-Look inszenierten Films erinnern in manchen Szenen an amerikanische Roadmovies. In der behutsamen Inszenierungsweise Defurnes, und seinem unverkennbarem Blick für schöne Details und ausdrucksstarke Bilder, ein wunderschöner Coming-Out-Film.


Sonntag, 18. November 2012

Michael

"Michael" ist ein ruhiger, präziser Film, der ein unglaublich schwieriges Thema aufgreift und es nahezu perfekt umsetzt. Markus Schleinzer gelingt es ausgezeichnet den Zuseher in die Welt eines Pädophilen zu versetzen. Es ist ein bitteres, schwermütiges und ganz schwieriges Thema dessen sich "Michael" annimt. Und genau als solches inszeniert es Markus Schleinzer auch. Er versucht nicht etwas zu vereinfachen oder aufzulockern, was man bei diesem Thema auch einfach nicht darf. Deshalb ist "Michael" naturgemäß auch kein einfacher Film. Es ist ein bittere Pille, die nicht unbedingt leicht zu schlucken ist, aber gerade in Anbetracht seiner subtilen Kraft und seiner nachhaltigen Wirkung ist Michael ein äußerst lohnender und bewegender Film, der auch lange nach dem Ende des Abspanns noch nachhallt.



Freitag, 16. November 2012

Das flüstern des Mondes

Das Flüstern des Mondes versucht die Grenzen der herkömmlichen Bildgestaltung zu erweitern. So greift der Erzähler Jannis in das Geschehen auf der Leinwand ein. Er zeichnet auf den Film, streicht und radiert Bildelemente aus, spult ganze Szenen zurück und beginnt ihre Erzählung erneut. Indem er Elemente eines Computerschnittprogrammes in die Handlung einbezieht, verlässt der Film die Ebene der passiven Illusion und ermöglicht dem Betrachter den Film "mitzuerschaffen". Verspielt, subversiv, funkelnd – „Das Flüstern des Mondes“ ist ein visuell atemberaubender Film, wie es ihn noch nie gegeben hat: er verschmilzt Formate, Erzählperspektiven und nackte Haut und erzählt so eine äußerst verführerische Geschichte – verlockend sexy. Reich dekoriert mit allerlei schwulen Filmpreisen ein sicherer Tipp für den homosexuellen Filmfreund.



Montag, 12. November 2012

Happy Together (OmU)

Auch mit dem Nachfolger seiner Großstadt-Ballade "Fallen Angels" beweist Wong Kar-wai, daß er gegenwärtig einer der aufregendsten Regisseure im Filmgeschäft ist. Für die Homosexuellen-Lovestory, inspiriert von Manuel Puigs "Buenos Aires Affair", verließ der Hongkong-Chinese erstmals seine Heimatstadt, um in Argentinien, vor allem in Buenos Aires, neue Ansatzpunkte für seine filmischen Fangblicke zu suchen und zu finden. Ausgezeichnet für die beste Regie auf dem Cannes-Filmfestival schildert Regie-Wunderkind Wong Kar-Wai einfühlsam die Höhen und Tiefen der Beziehung zweier gegensätzlicher Charaktere. Kameramann Christopher Doyle unterstreicht dazu mit ausdrucksstarken Bildern und einer aussergewöhnlichen Beleuchtung und Farbgestaltung die Intensität dieser Perle des Hongkong-Kinos.


Donnerstag, 1. November 2012

Grande École - Sex ist eine Welt für sich

Grande École, das Regiedebut von Robert Salis zeigt die sexuelle Orientierungssuche unter den jungen Heranwachsenden der besseren Gesellschaft, aber auch soziale Diskrepanzen, kulturelle Klüfte und mangelnde Chancen-gleichheit sind die Themen einer charmant und handwerklich sauber in elitäre Kulisse gegossenen Studentenromanze der größtenteils gleichgeschlechtlichen Art. Wenn die jungen Gentlemen einander nicht gerade beflirten, werden wortreich allerhand brisante Probleme erörtert. Man leidet mit Paul mit, auf der Suche nach seiner Identität im sexuellen und politischem Bereich, und fühlt buchstäblich seine Zerissenheit zwischen der Liebe zu seiner Freundin und seinem Verlangem nach Männern. Ein Film den man sich nach dem ersten Mal gleich nochmal anschauen möchte..