Montag, 20. Februar 2012

Die Jungs vom Bahnhof Zoo

Der wertfreie und unverfälschte Blick in die Berliner Stricher-Szene, in einschlägige Bars und Pornokinos, an den Straßenrand, auf psychische Probleme, Drogen und Aids macht „Die Jungs vom Bahnhof Zoo" trotz seiner konventionellen Machart sehenswert. Die Perspektive der oft älteren Freier spart Rosa von Praunheim dabei nicht aus.  In zahlreichen HD-Großaufnahmen und Interviewsituationen kommt Praunheim seinen Protagonisten näher. Fernab von Klischees lässt er verschiedene Perspektiven zu, ohne eine einseitige Didaktik oder eine moralische Wertung zu verfolgen. Das Schicksal der Stricher schreibt ihnen nicht automatisch eine Opferrolle zu – alle Interviewten berichten von unschönen, aber auch von lohnenden Erfahrungen in ihrer Zeit auf dem Strich, wobei das Hauptmotiv durchweg das „schnell verdiente Geld" ist.

Donnerstag, 16. Februar 2012

Männer, Helden, schwule Nazis

Der Film porträtiert schwule Männer, die offen rechts sind, Aussteiger, die von ihrer Faszination für Uniformen und Männerrituale erzählen. Er blickt auch zurück und berichtet von den schwulen Nazis von gestern. Der Regisseur Rosa von Praunheim: »Für manche Zuschauer wird es schockierend sein, dass ich in meinem Film selbst nicht Stellung nehme, dass ich schwule Neonazis nicht als Monster darstelle, sondern als Menschen, die einen großen Widerspruch leben. Prof. Rüdiger Lautmann beantwortet in meinem Film diesen Widerspruch am schlüssigsten: "Schwule wurden immer verfolgt, in allen Parteien, allen Religionen und Gesellschaften. Deshalb ist es kein Grund für Schwule, sich nicht rechten Gruppierungen anzuschließen, denn die Angst, entdeckt und bestraft zu werden, war und ist fast überall gleich" «   


Dienstag, 14. Februar 2012

Nicht der Homosexuelle ist pervers sondern die Situation in der er lebt

Der von Rosa von Praunheim im Auftrag des WDR gedrehte Film sorgte bei seiner Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen am 31. Januar 1972  für erhebliches Aufsehen. Die vorgesehene parallele Aufführung bei der ARD wurde kurzfristig unter dem Vorwand abgesagt, gerade die Homosexuellen selbst schützen zu wollen. Die ARD strahlte den Film erst ein Jahr später am 15. Januar 1973 im 1. Programm aus, woraufhin sich der Bayerische Rundfunk aus dem gemeinsamen Programm ausklinkte. Der Film setzt sich kritisch mit der Situation der Schwulen in den 70er Jahren auseinander und nimmt den Zuschauer mit auf eine skurile Zeitreise in die damalige schrille Subkultur. Besonders jüngeren sei dieser Film empfohlen, ein wichtiges Zeitdokument für die Zeit nach dem 1. September 1969 als die Liberalisierung des §175 StGB in Kraft trat.


Sonntag, 12. Februar 2012

Strapped (OmU)

Strapped ist eine Low-Budget-Produktion, der Film spielt durchgehend in einem Appartementhaus und kommt mit wenigen Darstellern aus. Trotzdem hat Regisseur und Drehbuchautor Joseph Graham es geschafft mit Strapped einen ganz außergewöhnlichen Film zu schaffen, der an Authentizität und Tiefgründigkeit seinesgleichen sucht. Die Hauptfigur des Films ist ein junger Stricher, der sich immer wieder andere Namen gibt, mal Alex und mal Eddie heisst, und scheinbar ein junger heterosexueller Mann ist der für Geld alles tut. Zwar gibt es auch einiges an nackter Haut zu sehen, das aber nur nebenbei, viel wichtiger ist die Botschaft einen Weg in seinem Leben finden zu müssen. "Strapped" hat im Englischen mehrere Bedeutungen. Es kann "knapp bei Kasse" heißen, was durchaus passen würde, oder aber auch "festgebunden".