Samstag, 28. Mai 2011

Broken Sky

Mit "Broken Sky" gelingt Regisseur und Drehbuchautor Julián Hernández eine wunderschöne Liebesgeschichte, der klassische Erzählrhythmen gleich in den ersten Minuten beiseite schleudert und sich einem langsamen Tanz der Liebe, des Sex, der Ablehnung, des Schmerzes und der Rückkehr hingibt - so wie sich Gerardo und Jonas beinahe selbstvergessen einander hingeben. Hernández setzt ganz auf seine Hauptdarsteller. Der Film kommt kommt fast gänzlich ohne Dialoge und Sprache aus. Das meisterhafte Kunststück dieses visuellen Filmes besteht darin, eine simple Geschichte in einen 140 Minuten langen Film zu zerdehnen, ohne dabei langweilig zu werden, sondern vielmehr aus der Beobachtung heraus geduldige Spannung zu erzeugen. Der Film setzt auf die universell verständliche Sprache des Körpers, nicht der Stimme.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Ein Leben lang kurze Hosen tragen

Regisseur Kai S. Pieck erzählt die Geschichte des jugendlichen Kindermörders Jürgen Bartsch mit dem Mittel eines Video-Monologs seiner Hauptfigur, der auf veröffentlichten Aufzeichnungen und Briefen von Bartsch zurückgreift. In Rückblenden wird die trieste und lieblose Kindheit und Jugend des Täters in den 50er und 60er Jahren gezeigt. Der Film zeigt die beklemmende Gefühlskälte in seinem Elternhaus, aber er erzählt auch von seiner Beichte nach der ersten Tat und seiner unterdrückten Homosexualität. Dabei verzichtet der Film gänzlich auf Voyeurismus und spekulative Effekte, sondern gestattet einen nüchternen, kühlen Blick auf die ungeheuerlichen Taten Bartschs


Montag, 23. Mai 2011

Dream Boy (OmU)

Als Regisseur James Bolton Jim Grimsleys gleichnamigen Roman in die Hände bekam, konnte er das Buch nicht mehr beiseite legen. Bolton wuchs als schwuler Jugendlicher selbst in den Südstaaten auf, und konnte sich daher gut in die Haut der beiden Jugendlichen hineinversetzen. Wie er bestätigt, ist es auch heute noch schwierig, außerhalb von US-Metropolen als Teenager ein normales, schwules Leben zu führen. Die Selbstmordrate vor allem unter schwulen Jugendlichen ist in den USA sehr hoch, weshalb es sich Regisseur Bolton zur Aufgabe gemacht hat, einen Film über Freundschaft, Liebe und Hass zu machen. Hauptdarsteller Stephan Bender stand nicht zum ersten Mal vor der Kamera. In Bryan Singers "Superman Returns" aus dem Jahr 2005 spielt er die Rolle des jungen Clark Kent.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Mambo Italiano

An den Grundfesten der italienischen Familie rüttelt der kanadische Regisseur Emile Gaudreault, und folgt damit dem Trend zum Culture-Clash im Kino Derber, aber immer liebevoller Witz, teils gnadenlose Gefühlsausbrüche am laufenden Band, förmlich in ihrer Spielfreude watende Schauspieler und mit Luke Kirby ein Hauptdarsteller wie aus Zuckerguss: was will man denn mehr?! Hier geraten Klischees zur Basis ironisch brechender Gags, werden weder Homos noch Heteros in Watte gepackt bzw. auf fiese Weise vorgeführt. Ganz nebenbei erfährt das typisch italienische Lebensgefühl sarkastische Seitenhiebe. Wer - unabhängig von sexueller Ausrichtung, Nationalität oder Geschlecht - die Fähigkeit besitzt, auch mal über sich selbst lachen zu können, kommt um "Mambo Italiano" einfach nicht herum. 

Freitag, 13. Mai 2011

Gods And Monsters

In stilvollen Bildern zeigt uns Regisseur Bill Condon die letzten Wochen des Frankenstein-schöpfers James Whale. Dabei ist am Schluß kaum etwas so, wie es am Anfang schien. Als informative Biographie scheitert dieser Film, denn er stiftet mehr Verwirrung als er Rätsel lösen würde, aber gerade das macht den Reiz dieser Reminiszenz aus. Fragen werden in Gods And Monsters Dutzende aufgeworfen und für jede Frage zudem mindestens zwei Antworten präsentiert. Warum hörte Whale auf Filme zu machen? Wegen seiner Homosexualität, seiner körperlichen Schwäche, seiner Abneigung gegen Hollywood? Neben der gelungenen Regie, dem geistreichen Drehbuch und dem großartigen Ian McKellen als James Whale, glänzt dieser Film auch durch die wunderbare Musik von Carter Burwell.