Mittwoch, 29. Juni 2011

Der Dorflehrer

In grandiosen Bildern fängt der international renommierte Regisseur Bohdan Sláma zwei verletzliche, melancholische Charaktere und die warmherzige Geschichte ihrer romantischen Freundschaft ein. Sláma gelang eine wunderschön gefilmte, beeindruckend gespielte und tief bewegende Geschichte über zwei Menschen, die sich innig nach Liebe sehnen und doch nicht zusammen kommen können. Es ist ein Film, dessen Ende ein klein wenig vorhersehbar ist, was seine Kraft und Wirkung aber nicht schmälert. Was den Film auszeichnet, ist die Tatsache, dass er kein einfaches dynamisches Dorfgefüge bietet, sondern das Leben mit all seinen komplexen Elementen darstellt. So muss man dem Film zuallererst zugute halten, dass er sehr realistisch ist und es dieser Realismus ist, der den Zuschauer in den Bann zieht.

Samstag, 25. Juni 2011

Das Gesetz der Begierde

16 Filme hat der spanische Regisseur Pedro Almodóvar bisher gedreht, ein Gesamtwerk, das stilistisch und thematisch so geschlossen erscheint wie das kaum eines anderen europäischen Filmemachers. Almodóvars fünfter Film "Das Gesetz der Begierde" ist keine Ausnahme, auch hier variiert der Meister seine großen Themen: Einsamkeit, Rollenspiele, Verwandlungen und Künstlerprobleme. Der Abschluss von Almodóvars Frühwerk ist ein überraschend tiefgründiges Melodrama, das er mit Elementen von Ironie, Kitsch, Thriller, nicht zuletzt aber auch Tragödie durchsetzt.  Ein ungezügeltes filmisches Bravourstück, bei dem nicht nur die Fans des Regisseurs, sondern auch die der spanischen Schauspielstars Antonio Banderas und Carmen Maura auf ihre Kosten kommen.

Montag, 20. Juni 2011

Mysterious Skin - Unter die Haut

Dieser Film ist nichts für zarte Gemüter. In erschreckender, ja geradezu verstörender Deutlichkeit behandelt er die Geschichte zweier Jugendlicher, welche unterschiedlicher nicht sein könnten, die als Kinder von ihrem Baseball-Trainer sexuell missbraucht wurden. So verschieden die beiden sind, so unterschiedlich ist auch die Art und Weise wie sie mit dem erlebten umgehen. Dem Regisseur Gregg Araki ist es gelungen dieses äusserst heikle Thema absolut realistisch umzusetzen, wobei dieser Realismus in einigen Szenen schon recht hart an die Grenze des gerade noch erträglichen geht. Auch sind die jugendlichen Schauspieler sehr überzeugend, allen voran Joseph Gordon-Levitt in der Rolle des gefühlskalten Strichers Neil. Ein ausgezeichneter Film zum Thema Misbrauch, der buchstäblich unter die Haut geht.

Freitag, 17. Juni 2011

Eleven Men Out - Strákarnir Okkar

Schwule Fussballer sind noch immer keine Selbstverständlichkeit. Wärend in anderen skandinavischen Ländern Homosexualität weitgehend als akzeptiert gilt scheint das in Island noch in weiter Ferne. Regisseur Róbert I. Douglas sagt selbst über seinen Film: "Mein Film erklärt, was es bedeutet, als Schwuler in einer so vom Machismo geprägten Gesellschaft wie der isländischen zu leben, samt ihrem stereotypen Bild vom Mann als hart arbeitendem und ebenso hart trinkendem Fischer."  Tatsächlich sind die Männer in Eleven Men Out allesamt wahre Prachtexemplare der machistischen Sorte, es wird gesoffen und mit der eigenen Männlichkeit herumgeprahlt. So ist es kein Wunder, dass sich in dieser dumpfen Atmosphäre nach wie vor die Mär hält, Schwulsein sei eine womöglich ansteckende Krankheit, die immerhin aber heilbar sei.

Dienstag, 14. Juni 2011

Wäre die Welt mein (OmU)

"Ein Sommernachtstraum", Shakespeares Klassiker lieferte die Vorlage für dieses unkonventionelle, bunte Gay-Musical, das nicht nur wegen der farbenprächtigen Theaterkostüme und der knackigen Musik richtig gute Laune macht. Die weitestgehend unbekannten Jungakteure überzeugen sowohl gesanglich als auch schauspielerisch auf ganzer Linie. Regisseur Tom Gustafson gelang eine kleine Sensation - eine Perle des neuen Queer Cinema, die sowohl Zuschauer als auch Kritiker begeisterte und auf vielen Top 10 Listen der besten Independent Filme in den USA landete. Gelobt wurde von den Festival-Jurys neben der augenzwinkernden Sozialkritik in erster Linie der interessante Aufbau der Geschichte. Der Film ist elffacher Gewinner von Publikumspreisen und wurde zwölffach mit Jury Preisen ausgezeichnet.

Donnerstag, 9. Juni 2011

Paragraph 175

Paragraph 175, 1794 initiiert und 1935 verschärft stellte unter der Naziherrschaft "Unzucht unter Männern" unter strenge Strafe. Während Schwule in den zwanziger Jahren ihre Homosexualität offen ausleben durften, landeten sie in den späten Dreißigern mit einem rosa Winkel als Erkennungszeichen auf der Uniform im KZ, wurden gefoltert, umgebracht. Die preisgekrönten Regisseure Rob Epstein und Jeffrey Friedman nahmen sich des kaum aufgearbeiteten Themas der Homosexuellenverfolgung im Dritten Reich an. Sie fanden fünf Verfolgte, alle weit über 90 Jahre, die über ihre schlimmen Erfahrungen berichten. Mit Hilfe des Historikers Klaus Müller geben die beiden außerdem einen geschichtlichen Überblick über das Gesetz.



Sonntag, 5. Juni 2011

Watercolors - (Omu)

Filme, welche den Zuschauer zutiefst emotional berühren, gibt es nicht allzu viele. Der hier vorgestellte Film, Watercolors, erfüllt diesen Anspruch zu 110%. Es ist eine herzzerreißende, kraftvolle Liebes- und Coming-Out-Geschichte, die man so schnell nicht wieder vergißt, mit einer der schönsten, wenn nicht überhaupt der schönsten Liebesszene, die es im schwulen Kino gibt. Auch das nichtschwule Publikum wird sich dem Zauber dieses Filmes kaum entziehen können, zumal der Regisseur David Oliveras es meisterlich versteht die sexuellen Abenteuer der beiden Hauptfiguren völlig unbefangen, glaubwürdig und in wunderschönen Bildern mit subtiler Erotik in Szene zu setzen. Diesen Film muss man einfach gesehen haben. Leider wurde er nie in deutsch synchronisiert.


Besonders zu erwähnen ist auch der liebevoll zusammengestellte Soundtrack, und hier speziell das ergreifende "love theme" des Komponisten Marcelo Cesena, welches die Liebesszenen in genialer Weise untermalt, hier anzuhören >>> Hier klicken