Samstag, 24. September 2011

Querelle - Der Pakt mit dem Teufel

Querelle, Fassbinders letzter, und nach seinen Aussagen wichtigster  Film, nach einer Romanvorlage on Jean Genet vor seinem Tod gedreht, scheint auf den ersten Blick den Zyklus von Figuren, die sich fatalerweise in ihren Doppelgänger verlieben, zu vervollständigen. In diesem hermetischen Paradies des Hafens von Brest, schwelgend in der obszessiv-phallischen Welt der Matrosen und Lederjungs, wird es beinahe unmöglich, die Figuren zu unterscheiden oder zur verfolgen, wer sich mit wem überidentifiziert oder sich in wem negativ verdoppelt sieht. Alles scheint künstlich und zeitlos, selbst das Medium, die Kulisse, die Figuren, die Dialoge. Die künstliche Sonne hängt am Horizont, und taucht alles in ein grelles Licht zwischen Orange und Gelb, nur ab und an strömt ein kaltes Blau durch die Räume, die so für immer festgelegt scheinen wie die Figuren, die sich in ihnen bewegen.


Donnerstag, 22. September 2011

Brüder - Comme un frère (OmU)

"Comme un frére" ist ein melancholisches und nachdenkliches Coming-Out-Drama, und zeigt die ersten Schritte zum selbständigen Erwachsenen eines schüchternen Jungens. Gefühlvoll und mit schönen Bildern gefilmt, springt der Film zwischen Gegenwart und Vergangenheit der Personen hin und her. Ein schöner, leiser, leider mit 55 Minuten etwas zu kurzer Film, der in so manchen Szenen bei vielen eigene Erinnerungen wieder aufruft. Zwar bietet der Film der französischen Newcomer Bernard Alapetite und Cyril Legann nichts neues, aber er lässt sich gut anschauen, was auch an den guten Schauspielern liegt, die in ihren Rollen ganz natürlich wirken, und dazu auch noch recht gut aussehen. Das Low-Budget-Debüt lief auf etlichen Festivals bevor es seine Deutschlandpremiere auf DVD feierte.

Montag, 19. September 2011

Westler

Wieland Speck, Leiter des Panoramas der Berlinale, inszenierte diesen außergewöhnlich zärtlichen Liebesfilm bereits schon im Jahr 1985, zum Teil mit versteckter Kamera im Osten Berlins. Der Film gilt als ein Höhepunkt des deutschen schwulen Films, wobei es in Westler beileibe nicht nur um homosexuelle Liebe geht. Vielmehr geht es um ein System, das Menschen, politische Weltanschauungen und nicht zuletzt Alte von Neuer Welt trennt. Der Film erzählt die Geschichte des West-Berliners Felix, der sich bei einem Tagesbesuch mit einem amerikanischen Bekannten in den Ost-Berliner Thomas verliebt. Westler zeichnet sich insbesondere aus durch sein für die Zeit realistisches Portrait einer homosexuellen Beziehung unter schwierigen Umständen und durch die heimlich gefilmten Szenen in Ost-Berlin.


Montag, 12. September 2011

C.R.A.Z.Y. - Verrücktes Leben

In sehr genauen Momentaufnahmen überträgt der Regisseur das jugendliche Lebensgefühl der Hauptfigur Zac auf die Zuschauer. Seine Bilder sind vielsagender als Worte, zum Beispiel Zacs Gesichtsausdruck, als Bruder Raymond endlich einmal den Kürzeren zieht, oder das angespannte Kreisen der Blicke in einer Männerbar. Prägende Erfahrungen, das ruft dieser Film deutlich in Erinnerung, ähneln einem Feuerwerk: Sie entfalten sich oft in wenigen Sekunden. Das Tabu von Zacs homosexuellen Neigungen zieht auch die Eltern in einen Strudel der Wandlung. Die Beziehung zu ihnen und der Kampf um ihre Anerkennung begleiten Zac über sehr viele Jahre, holen ihn an den entlegensten Orten heim. Nichts wirkt stärker im Leben als Familie, und in „C.R.A.Z.Y.“ sitzt man quasi mit am Küchentisch.




Freitag, 2. September 2011

Boy Culture

Regisseur Q. Allan Brocka, (Eating Out) der gleichzeitig das Drehbuch schrieb, liefert erneut einen tiefgründigen und mit viel Wortwitz versehenen Film ab, der romantisch, erotisch und unterhaltend geraten ist. Mit viel Liebe wurden hier tolle Figuren auf die große Leinwand gebracht und mit originellen Dialogen ausgestattet. So muss schwules Kino sein. Nach dem Roman von Matthew Rattenmund inszenierte Brocka ein schwules Popart-Mosaik, das sich darin gefällt, seine edle Ausstattung und gut aussehende Jungs ins rechte Licht zu rücken. Der elegante, manchmal aber auch oberflächliche Beziehungsreigen über eine schwule WG, der beim Verzaubert Festival 2006 als Eröffnungsfilm beklatscht wurde, gefällt durch seine entspannte, selbstverständliche Haltung, die auch so manche Erzählschwäche spielend wettmacht.