Mittwoch, 26. September 2012

Ausente (OmU)

Regisseur Marco Bergers Film ist ein einfühlsames Drama mit gleichzeitiger Thriller-Qualität. Die Angst, dass die gemeinsame Nacht von Schüler und Lehrer – auch wenn in dieser nichts passiert ist – bekannt werden würde, und die Unsicherheit gegenüber dem Verhalten, Ahnen und Empfinden des anderen hängen permanent in der Luft und lassen die Figuren nicht aufatmen. Häufig folgt die Kamera Martins Blick, wenn er unauffällig in der Umkleidekabine des Schwimmbades seine Mitschüler beim Duschen und Umziehen beobachtet oder den Augenkontakt zu seinem Lehrer Sebastián sucht. Die Geschichte ist dramaturgisch wie schauspielerisch hervorragend umgesetzt, wobei sich der Film insbesondere durch seine Filmsprache und einen einzigartigen Soundtrack auszeichnet.



Donnerstag, 20. September 2012

I Killed My Mother (J' ai tué ma mère)

Xavier Dolan liefert mit diesem Film ein beeindruckendes Debüt. Der erst 20- jährige Frankokanadier hat nicht nur das Drehbuch geschrieben, Regie geführt und den Film produziert, er spielt sich auch gleich noch selbst als wilden, 17 jährigen Jungendlichen. Dolan beweist dabei sehr viel Gespür für seine Figuren.  Dolan erzählt die Geschichte auf eine sehr eindringliche und ehrliche Weise. Um die Geschichte zu erzählen hat Dolan unglaubliche Bilder gefunden. Der ganze Film ist wunderschön fotografiert und weckt eine passende, bedrückende Stimmung. Ein grosses Lob gebührt auch den Schauspielern, allen voran Xavier Dolan, der mehr oder weniger sich selbst spielt, findet er dabei doch ein gelungenes Mass aus Ekelpaket und Identifikationsfigur.





Samstag, 15. September 2012

Dahmer (OmU)

Der Film "Dahmer", der keineswegs eine authentische Verfilmung des berühmten Schlächters sein möchte, lässt sich von der bestialischen Biografie nur wenig beeindrucken und zeigt den Killer Dahmer als Menschen, der den Zwang zu Töten für sich entdeckt, vorerst aber wie jeder normal erscheinende Mensch agiert und von seinem ersten Mord, der als eine Mischung aus Verzweiflungstat und Unfall dargestellt wird, sichtlich angewidert ist. "Dahmer" ist eher die Charakterstudie eines kranken Menschen, und nicht so sehr ein Horrorthriller, trotzdem hat der Film etwas verstörendes. Einerseits hat man Mitleid mit Jeffrey, trotzdem bleibt er das kranke Monster, das man verabscheut. Diese Balance zu finden war sicher nicht einfach, wurde jedoch von Hauptdarsteller Jeremy Renner hervorragend und glaubwürdig umgesetzt.


Mittwoch, 12. September 2012

Eine außergewöhnliche Affäre

Vor vielen Jahren schockierte Wolfgang Petersen die Fernsehnation mit einem Film, in dem zwei Männer offen ihre homosexuellen Neigungen auslebten. Das war 1977, der Film hieß "Die Konsequenz" und sorgte für einen veritablen Skandal. Die Zeiten haben sich geändert. Für einen kommerziellen Sender wie SAT-1 ist die Geschichte des scheinbar rundum glücklichen Familienvaters, der sein homosexuelles "Coming out" reichlich spät erlebt, trotzdem ungewöhnlich. Regisseurin Maris Pfeiffer inszeniert den Film in ruhigen, langen Einstellungen. Herausragend unter den überzeugenden Darstellern ist neben Tatjana Blacher vor allem Hans-Werner Meyer in der Rolle des vermeintlich Verführten. Ein ungewöhnlicher Film, dessen konsequentes Ende nicht den gängigen Erwartungen entsprechen dürfte

Sonntag, 2. September 2012

Trick

"Trick“ gleicht einer klassischen Screwball-Kömödie und war damit einer der ersten schwulen Filme, der leichtfüßig das Datingverhalten der Großstädter porträtierte, statt die ewig mit Homosexualität verbundenen Themen von Aids und sozialen Problematiken zu zeigen. "Trick“ ist ein Zeugnis davon, dass sich das schwule (Selbst-)Bild in den 90ern geändert und sich Homosexualität nach langer Zeit der Verleumdung und später der Quotenschwulen zu einer Normalität im Film entwickelt hat. Die beiden Hauptdarsteller, Christian Campbell (Gabriel) und John Paul Pitoc (Mark) sind nicht nur niedlich anzusehen, sie spielen ihre Rollen zudem sehr glaubwürdig. Trick ist eine zu Herzen gehende, romantische Komödie ohne moralischen Zeigefinger oder Anzüglichkeit.