Freitag, 19. Dezember 2014

Jitters - Schmetterlinge im Bauch (OmU)

Bemerkenswert an diesem Film ist der einfühlsame Ton, in dem der isländische Regisseur und Drehbuchautor Baldvin Zophoníasson seine Geschichte erzählt. Er respektiert seine Charaktere und ihre Nöte, ihre Schwierigkeiten werden niemals herablassend geschildert. Außerdem gelingt es ihm, verschiedene Modelle des jugendlichen Lebens zu schildern. Die Jugendlichen setzen sich mit ihrer Sexualität und Identität auseinander, sie müssen verletzte Gefühle und traumatische Erlebnisse verarbeiten, daher könnte der Film auch in jedem anderen Land in Europa oder Nordamerika spielen. Dass die Fülle an Handlungsanrissen nicht störend auffällt, ist vor allem den jugendlichen Darstellern zu verdanken. Sie verkörpern ihre Rollen sehr authentisch, so dass selbst sehr zusammengefasste Wendungen glaubwürdig bleiben.

Sonntag, 23. November 2014

Off Shore

"Off Shore" ist das Spielfilmdebüt von Regisseur Sven J. Matten, der gemeinsam mit Viola Siegemund auch das Drehbuch verfasst hat. Die Dreharbeiten des Queer-Dramas fanden in Fuerteventura statt, was dem auch hier angesiedelten Film eine gehörige Portion Authentizität verleiht. Regisseur Matten kann vor allem mit tollen Bildern punkten. Die Kamera und die geglückten Aufnahmen sind aber schon fast das beste an diesem Film. Der Hauptdarsteller André Würde, der als Andi zu sehen ist, scheint zeitweise mit seiner Rolle überfordert. Das Drehbuch ist über weite Strecken langatmig, der Soundtrack teilweise aufdringlich und die Leistungen der Darsteller sehr überschaubar. Für anspruchslose Filmegucker dennoch eine nette Abendunterhaltung mit leichter homoerotischer Note..

Samstag, 11. Oktober 2014

Zurück auf Los

Den Regisseur dieses grossartigen Filmes, Pierre Sanoussi-Bliss (52), der auch das Drehbuch schrieb und als "Sam" eine der Hauptrollen spielt, werden viele aus der ZDF-Serie "Der Alte" kennen, wo er ganze 18 Jahre lang als Kommissar Axel Richter brillierte. Nun wurde er vom ZDF eiskalt abserviert. Das Ermittlerteam soll "verjüngt" werden. Mit "Zurück auf Los" hat Sanoussi-Bliss jedoch gezeigt dass sehr viel mehr in ihm steckt. Grossartiges Drehbuch, grossartige Regiearbeit, und zudem kann er auch noch im Soundtrack mit seiner Stimme als Sänger überzeugen. Auch die anderen Schauspieler, vor allem Matthias Freihof und Dieter Bach, sind einfach nur genial in ihren Rollen. Die Pressestimmen sprechen für sich. Wir wünschen Pierre Sanoussi-Bliss für seinen weiteren Weg nur das allerbeste.

Samstag, 13. September 2014

Oben ist es still

Regisseurin und Drehbuchautorin Nanouk Leopold erzählt mit der Verfilmung des gleichnamigen internationalen Bestsellers von Gerbrand Bakker, der sich in Deutschland über 70 000 Mal verkaufte, von emotionalen Verwerfungen. Das Unausgesprochene und das Angedeutete drückt sich in minimaler Gestik und verlorenen Blicken aus. Die Regisseurin fokussiert sich auf das überschaubare Universum der Hauptfigur, die Alltagskleinigkeiten. Die seltenen Dialoge kommen auf den Punkt, selbst wenn sie fragmentarisch bleiben. Der Film verlangt seinem Publikum viel ab, tröstlich ist er nicht einmal ansatzweise, sondern eine nahezu nihilistische Darstellung überwältigender Hoffnungslosigkeit – und eine atmosphärisch verdammt intensive Kinoerfahrung.

Dienstag, 26. August 2014

The Birdcage - Ein Paradies für schrille Vögel

In Gedenken an Robin Williams   * 21. Juli 1951   † 11. August 2014


Das von Regisseur Mike Nichols inszenierte Remake des französischen Kultklassikers "Ein Käfig voller Narren" begeistert vor allem durch das wunderbare Zusammenspiel von Robin Williams als zumeist unerschüttlich-ausgeglichener "Birdcage"-Nachtclubbesitzer Armand und Nathan Lane als allürenhafter Lebensgefährte Albert, der mit seiner Show als unnachahmbare Drag-Diva Starina für Furore sorgt. Drehbuchautorin Elaine May dienten das gleichnamige Bühnenstück und das Skript des Originalfilms als Vorlage. Die heiter-unbeschwerte Atmosphäre wird optisch vom farbenfrohen Produktionsdesign und schmissigen Kostümen ergänzt, und der schwungvolle Disco/Latino-Score tut sein übriges, um diesen Käfig voller schräger Vögel einem umfangreichen Publikum ans Herz wachsen zu lassen.

Dienstag, 19. August 2014

Liberace - Zuviel des Guten ist wundervoll


In "Liberace – Zu viel des Guten ist wunderbar" erzählt Regisseur Steven Soderbergh die Geschichte des schwulen Pianisten und Entertainers Liberace, der von den fünfziger bis in die siebziger Jahre hinein unfassbare Erfolge in den USA feierte. 1987 starb Liberace an Aids. Im Jahr darauf veröffentlichte sein langjähriger Lebenspartner Scott Thorson seine Erinnerungen an die gemeinsame Zeit in dem Buch "Behind the Candelabra". Es wurde zur Vorlage des Films. Michael Douglas spielt den alternden Star mit viel Körpereinsatz, Bling Bling und so tuntig, dass der Kinosaal während der Weltpremiere laut auflacht. Ebenso schwul und bald im Strass-Tanga durchs Bild tänzelnd spielt Matt Damon Liberaces jungen Geliebten.

Donnerstag, 31. Juli 2014

Kaboom

Man sollte schon ein bisschen Flair für Trash, respektive hirnrissige Plots haben, um “Kaboom” zu mögen. Regisseur Gregg Arakis unkonventioneller Inszenierungsstil passt bestens zur absurd-schrägen Story. Dazu gehören ziemlich gewagte Sexszenen und fürchterlich komisch-seltsame Sequenzen. Weitestgehend sinnfrei, quitschbunt, mit etlichen pop- und subkulturellen Querverweisen und voller rotzfrecher Dialoge und hanebüchener Plottwists ist Kaboom wohl einer der unterhaltsamsten, frechsten und freizügigsten Filme des Jahres 2011, und sorgte beim Fantasy Film Fest, in Sitges und auf einigen anderen Festivals für Heiterkeit und fast einhelliges Lob. Somit erfüllt "Kaboom" beste Voraussetzungen, um zu einem Geheimtipp in Sachen Kultfilm zu werden.

Samstag, 28. Juni 2014

Judas Kiss

"Judas Kiss" von Regisseur und Drehbuchautor J.T. Tepnapa erzählt eine Geschichte über die Suche nach uns selbst, über neue Chancen, der großen Liebe und den richtigen Entscheidungen. Tepnapa hat dafür ausdrucksstarke und schlicht fantastische Schauspieler gefunden, um die Botschaft zu übermitteln. Der auf seine ganz eigene Art und Weise wunderschöne Richard Harmon, der hier die Rolle des Danny Reyes spielt, wurde durch Tepnapa eindrucksvoll in Szene gesetzt, aber auch seine Schauspielkollegen bieten ordentliche Leistungen, die sich überzeugend in die Rahmenhandlung einpassen. Insbesondere Paul Lockhart, - besser bekannt als Erotikdarsteller unter dem Künstlernamen Brent Corrigan - überrascht mit eindrucksvollem schauspielerischen Talent.

Dienstag, 27. Mai 2014

Der Fremde am See

Dass Regisseur Alain Guiraudie selbst homosexuell ist merkt man diesem Film deutlich an. Auch wenn die meist statischen Bilder streng komponiert sind, ist „Der Fremde an See“ in seiner Beschreibung schwulen Lebens und vor allem schwulem Balzverhalten in einem Maße authentisch, wie man es nur selten gesehen hat. Ganz beiläufig inszeniert Guiraudie Blicke, das Abchecken von Neuankömmlingen, das Cruisen im angrenzenden Waldstück. So natürlich ist die gezeigte Nacktheit, dass selbst kurze explizite Sexszenen in keiner Weise voyeuristisch oder plakativ wirken. Die Ähnlichkeiten zu Williams Friedkins legendärem Al-Pacino-Thriller „Cruising“, der wegen seiner Verknüpfung von Sex und Mord höchst umstritten war, sind sicher nicht zufällig.

Mittwoch, 30. April 2014

Glue (OmU)

Alexis Dos Santos’ Regiedebüt greift das Thema Erwachsenwerden mit sehr viel Sensibilität und Gespür fürs Detail auf. Auch Lucas’ Auseinandersetzung mit seinem eigenen Körper und seine Gefühle gegenüber Nacho, die zwischen normaler Freundschaft, Bewunderung und Verliebtsein schwanken, sind mit viel Fingerspitzengefühl in Szene gesetzt. Und die natürliche Ausstrahlung von Hauptdarsteller Nahuel Pérez Biscayart verleiht der Figur des Lucas eine unglaubliche Authentizität. „Glue“ besticht durch wunderschöne Aufnahmen und eine ganz eigene Bildsprache. Oft scheint es so, als sei der ganze Film in der Abenddämmerung gedreht und die tief stehende Sonne tauche die gesamte Szenerie in ein goldgelbes Licht. Trotz gelegentlicher Längen ein kleines Kunstwerk voll roher Poesie.

Montag, 17. März 2014

Freier Fall

Die Arbeit im Staatsdienst als Polizist ist für homosexuelle Männer sicherlich alles andere als unproblematisch. Regisseur Stephan Lacant pickt sich in "Freier Fall" exemplarisch eben diesen Polizeidienst als Beispiel für in sich geschlossene Männerbünde aus, in denen sich die Herren zwar überaus nahe stehen, gerade dieses Übermaß an Nähe aber beinahe schon zwangsläufig eine homophobe Atmosphäre begünstigt. Herausragend sind die schauspielerischen Leistungen von Hanno Koffler und Max Riemelt, denen die Überzeugungskraft und die Lebensnähe dieser Geschichte im Grunde geschuldet ist. Mit "Freier Fall" liefert Lacant ein sauber inszeniertes und durchdachtes wie aufrüttelndes Drama ab, das mit einer ordentliche Portion gesellschaftlichen Sprengstoffes aufwartet.

Dienstag, 18. Februar 2014

The Bubble - Eine Liebe in Tel Aviv

Eytan Fox, der israelische Erfolgsregisseur von 'Yossi & Jagger', beschreibt die neue junge Generation Israels und die Liebe zweier Männer aus unterschiedlichen Kulturen: Mit großartigen Schauspielern, unter anderem Ohad Knoller (Yossi)  erzählt Eytan Fox In berührenden und intensiven Bildern vom Hun­­ger junger Israeli nach einem unbeschwerten Leben und vom fatalen Kreislauf von Aggression und Vergeltung, der regelmäßig alle Friedenshoffnungen zerstört. "The Bubble" ist meisterhaftes Zusammenspiel einer dramatischen Liebe in der knallharten politischen Wirklichkeit. Der Titel „The Bubble“ (Die Blase) bezieht sich auf die populäre Bezeichnung für das leichte Leben im mondänen Tel Aviv im Sinne einer „Vergnügungsblase“.

Freitag, 31. Januar 2014

Fliegende Liebende

Ein Highlight der schrillbunte Komödie "Fliegende Liebende" von Spaniens Starregisseur Pedro Almodóvar ist sicherlich die Performance der drei Flugbegleiter, die "I’m so excited" zum Besten geben. Fliegende Liebende ist ein sehr verspielter Film, der fast nur im Inneren des Flugzeugs spielt, kurzzeitig aber auch die Handlung nach draußen verlagert und dank der grandiosen Musik von Alberto Iglesias, der hier Anleihen bei Bernard Herrman nimmt, mitunter auch richtig spannend wird. Denn allem Humor zum Trotz geht es natürlich auch ums (Über)leben – sowohl an Bord des Flugzeugs als auch auf einer Brücke in Madrid. So beschwingt leichtherzig war Almodóvar schon lange nicht mehr. Mag der Film auch nicht als eines seiner Meisterwerke gelten, dem Amüsement tut das jedoch keinen Abbruch.