Dienstag, 31. Dezember 2013

An Englishman In New York

"An Englishman in New York" ist ein Film von Richard Laxton aus dem Jahr 2009 über den britischen Exzentriker Quentin Crisp und seine Jahre in New York. Die Darstellung von John Hurt als Quentin Crisp kann man nur mit einem Wort beschreiben: Genial! Ich habe auch Aufnahmen von Crisp gesehen und die Art, wie John Hurt ihn verkörpert ist absolut brillant. Das muss man unbedingt gesehen haben. Selbst im hohen Alter immer noch würdevoll und herrlich zynisch und schlagfertig, einfach toll. Leider ist der Film auf Deutsch nicht zu haben, da bleibt nur der Griff zur UK-Version, aber es lohnt sich auf jeden Fall. Ganz großes Kino. Den bekannten Song "An Englishman in New York" schrieb Sting 1987 übrigens für Quentin Crisp.

Montag, 16. Dezember 2013

Phiadelphia

In "Philadelphia" wurde 1993 von Regisseur Jonathan Demme und Drehbuchautor Ron Nyswaner zum ersten Mal in einem Hollywood-Film das Thema Aids aufgegriffen. Der Film soll zeigen, wie Homosexuelle und Aids-Kranke diskriminiert und von der Gesellschaft ausgegrenzt werden. Es entstand ein Plädoyer für einen toleranteren und rücksichtsvolleren Umgang mit ihnen. Ihre Botschaft haben Nyswaner und Demme in ein packenden Gerichtsdrama verpackt, in dem ein Mann mit Hilfe seines Anwalts gegen eine Gruppe von Juristen um Gerechtigkeit kämpft. Der Film kommt ohne Effekthascherei und übermäßige Sentimentalität aus, auch weil die Darsteller mit Glaubwürdigkeit überzeugen, allen voran der brillante Tom Hanks, der für die Rolle des Aidskranken zwölf Kilogramm abgenommen hatte.

Montag, 25. November 2013

Jet Boy

Mit seinem Film "Jet Boy" fasst Regisseur und Drehbuchautor Dave Schultz ein recht heisses Eisen an. Minderjährige Stricher und sexuelle Misshandlungen sind ja auch sehr sensible Themen, die aber von Schultz dezent und mit der notwendigen Rücksicht und Respekt behandelt werden. Der Film verurteilt auch seine Figuren nicht und lässt auch ihre Taten moralisch größtenteils unkommentiert. Das in Kombination mit den relativ nüchternen Bildern verleiht "Jet Boy" auch die notwendige Authentizität, um beim aufgeschlossenen Publikum einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Die komplexe Rolle des Strichers Nathan war für Branden Nadon sicherlich eine schwierige Herausforderung, die der Nachwuchsschauspieler aber größtenteils mit Bravour gelöst hat.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Pixote - Asphalt-Haie

In seinem semi-dokumentarischen Film aus dem Jahre 1981 zeigt Regisseur Héctor Babenco in sehr eindrucksvollen, drastischen und ernüchternden Bildern das Leben von Straßenkindern in den Elendsvierteln von Sao Paulo. Ein Leben, das von Armut, Gewalt und Kriminalität geprägt ist und bei dem die Kinder meist schon früh mit dem Gesetz in Konflikt kommen. Babenco hat seinen Film teils mit Laiendarstellern realisiert, die auch aus den Armenvierteln, den sogenannten Favelas stammen. Die Inszenierung ist sehr realistisch, die Drehorte authentisch und die Darsteller sind allesamt sehr gut. Ein eindrucksvolles Meisterwerk über Jugendliche in einem armen und kriminellen Umfeld, die ihre Kindheit verloren haben und denen mangels sozialer Absicherung auch gar nichts anderes übrig bleibt, als selbst kriminell zu werden.

Sonntag, 6. Oktober 2013

La-La Land (OmU)

Mit "La-La Land", einer Adaption des tragisch-komischen Romanes von Andy Zeffer, gelang Regisseur Casper Andreas ein bewegender Film für die große Leinwand. Sehenswert auch aufgrund der schauspielerischen Leistungen der Darsteller. Matthew Ludwinski als Adam sieht nicht nur umwerfend aus, er spielt seine Rolle auch mit der nötigen Portion Emotion und auch Allison Lane als Candy ist durchweg sympathisch und authentisch. Michael Medico als Schauspiel-Superstar John ist zudem einen Blick wert. Hier stimmt einfach alles: Die Kamera, die Filter über den Bildern, die Schnitte - alles große Klasse. Ein Highlight des schwulen Films. Mit authentischen Schauspielerleistungen und richtig guten Ideen wurde hier ein sehenswerter Mix aus Tragik und Komik gestaltet.


Samstag, 28. September 2013

Cibrâil - Eine Liebe in Berlin

Regisseur Tor Ibens authentische Liebes- geschichte feiert die Leichtigkeit des Berliner Sommers, geht mit dem Touristen Marco auf erotische Entdeckungsreise und verfolgt die Gefühlsverwirrungen Cibrâils, die scheuen Blicke und kleinen Gesten, mit Anteilnahme und ohne zu urteilen. Newcomer Sinan Hancili verkörpert überzeugend und mit stiller Präsenz den verunsicherten und von seiner Sehnsucht herausgeforderten Polizisten. Ein weiteres leicht verspätetes schwules Erweckungserlebnis nimmt seinen weitgehend entspannten Lauf in diesem nicht allzu holprig mit digitaler Handkamera in ganz normalen Berliner Alltagslocations gedrehten Low- Budget-Arthousedrama mit glaubwürdigen Beziehungskonflikten und sympathischen Berliner Bärchen.

Samstag, 21. September 2013

Heavenly Touch (OmU)

In “Heavenly Touch” bietet Regisseur Joel Lamangan einen Einblick in die schwulen Rotlichtviertel von Manila, in denen junge Männer ihre Dienste in dubiosen Massagesalons und Tanzclubs anbieten um sich mit dem verdienten Geld über Wasser halten zu können. Die überwiegend jungen Schauspieler zeigen sich allesamt sehr freizügig und sind auch hübsch anzusehen. Darstellerisch gibt es auch nicht viel zu meckern, auch wenn sich in einigen gefühlvollen Szenen das obligatorische Overacting nicht ganz vermeiden lässt, was ja in asiatischen Filmen nicht ungewöhnlich ist. Der Film bietet eine gute Mischung aus Sex, Dramatik und Humor und bietet 90 Minuten grundsolide Unterhaltung in allen Bereichen, also durchaus ein interessanter und ungewöhnlicher Vertreter des schwulen Kinos.


Samstag, 31. August 2013

Privatunterricht (Elève libre)

Mit „Privatunterricht“ ist dem belgischen Regisseur Joachim Lafosse ein ebenso außergewöhnliches wie verstörendes Drama gelungen. Ein Drama über die naiv-neugierige Unbedarftheit eines Teenagers, über die Verunsicherung und Desorientierung in der Pubertät und über enttäuschtes und ausgenutztes Vertrauen. Ein Film, der letztendlich unangenehme Fragen aufwirft: Wann wird sexuelle Aufklärung peinlich und beschämend? Wie weit darf Vertrauen gehen? Wo liegt die Grenze zwischen Aufklärung und Verführung? Und wann wird aus Verführung Missbrauch? In ruhigem Erzählstil startet der Film komödiantisch, lässt einen amüsiert schmunzeln, wenn sich Jonas’ erwachsene Freunde, ungeniert beim Abendessen plaudernd, mit seiner erwachenden Sexualität auseinandersetzen.


Samstag, 24. August 2013

BOY (OmU)

Mit einfachen Mitteln liebevoll inszeniert zeichnet Regisseur Auraeus Solito eindrücklich Portraits seiner Figuren, die in einem Spannungsfeld von Korruption, Armut und Sexualität ihren Weg suchen. Der Film ist süß, ein wenig harmlos, aber ein interessanter Blick in die philippinische Gegenwart. Jeder versucht durchzukommen, viele Jungs schaffen an – wie Aries. Wobei man sich schon fragt, was der hübsche Boy an dem Knaben eigentlich findet, denn Aries sieht aus wie ein ungeduschter Taschendieb. Ein schönes, auch witziges Gegengewicht bilden da die Gedichte Boys, die er in einem Literatenzirkel rezitiert: Hier fährt er eine Lyrik auf, die sich mit seiner neu entdeckten Körperlichkeit beschäftigt, oder ein Gedicht mit dem Titel „Boy“ – ganz ichbezogen und wortakrobatisch.


Dienstag, 30. Juli 2013

My Private Idaho - Das Ende der Unschuld

Die damals -1991- angesagtesten Jungstars Hollywoods standen vor der Kamera: River Phoenix und Keanu Reeves spielen zwei Stricher, die auf ihrem ausgesprochen kurvigen Lebensweg Freunde werden und das Abenteuer suchen. In kühler Ästhetik wird hier mit den Moralvorstellungen des puritanischen Amerikas aufgeräumt. Die Figuren in "My Private Idaho" sind fast komplett perverse Biedermänner und die schmutzigen Helden sind unschuldig. Allen Konventionen zum Trotz inszeniert Van Sant seinen Film nach europäischen Strickmustern, mit hartem Realismus durchsetzt und Amerika als gefühllosen Sumpf darstellend, in dem es kaum Überlebenschancen gibt. Trotz des skandalträchtigen Stoffes war der Film sowohl in Europa wie in den USA ein großer Erfolg.


Sonntag, 28. Juli 2013

Another Country

"Another Country" ist anspruchsvollen Cineasten zu empfehlen, die sich auf gesteigertes Problemkino verstehen. Nicht umsonst wurde der Film 1984 in Cannes als "Bester künstlerischer Beitrag" ausgezeichnet. Tatsächlich fällt die Inszenierung ins Auge: Beinahe jedes Bild ist in einen goldenen Schimmer getaucht und verleiht der Szenerie der Elite-Schule Eton eine beinah übernatürliche Atmosphäre. Die Story beherbergt in ihrem Kern ein zeitloses Stück über die Ignoranz und Selbstgefälligkeit der herrschenden Elite-Gemeinschaft und der snobistischen Erziehung, die ihre Tür vor all jenen verschließt, die anders sind als sie. Als Schauspieler agieren einige Stars, die bei der Entstehung des Films noch weitgehend unentdeckt waren, so auch Rupert Everett in seiner ersten Hauptrolle.

Samstag, 29. Juni 2013

Die Matthew Shepard Story

Der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete, nach einer wahren Geschichte 2002 in Kanada von Regisseur Roger Spottiswoode gedrehte Film, setzt sich sehr eindringlich mit dem Thema Homophobie auseinander. Zugleich versucht er durch die Augen des introvertierten Matthew Shepard einen Einblick in die Seele eines jungen Menschen zu geben, der Angst hat, sich zu outen, und doch versucht, seine Sexualität zu leben. Die Rolle des Matthew Shepard wird grossartig verkörpert von Jungschauspieler Shane Meier, der selbst bekennender Homosexueller ist. Zum Gedenken an Shepard komponierte der britische Pop-Gigant Sir Elton John eigens den Song "American Triangle", erschienen auf dem Album "Songs from the West Coast" - (Video siehe weiter unten)

Montag, 24. Juni 2013

Sommer wie Winter - Presque rien

Ohne realitätsfremde Klisches der erzählt Regisseur Sébastien Lifshitz von der Schwierigkeit die Balance zu halten, wenn sich der Boden dreht. Das Ausleben des Hochgefühls und das verletzte Insichkehren ist ihm weitaus wichtiger, als durch endlose Dialoge die erste Liebe zu zerquasseln. Und das ist gut und leider selten! "Sommer wie Winter" zeigt eine alltägliche Geschichte, in all ihrer subjektiven Schwere, aber ohne unnötige Dramatik, dazu intime Liebesszenen, ganz normal und zugleich doch wieder nicht, mit einer gewissen französischen Leichtigkeit eingebunden. Dazu eine Trennung, voll individuellem Schmerz, und doch dreht sich die Welt weiter. Einziger Unterschied, und doch kommt man nicht umhin, ihn zu betonen: Es sind halt zwei Jungs, zwei Männer.

Donnerstag, 30. Mai 2013

Binyag - Verlorene Unschuld (OmU)

Binyag-Verlorene Unschuld von Regisseur Mico S. Jacinto erzählt die Geschichte des etwas naiven jungen Philippinos Leo, der in der großen Stadt Manila seine Träume erfüllen möchte und schlussendlich unter die Räder kommt. Regisseur Jacinto thematisiert die schwule Sex-Industrie von Manila, die junge Männer mit falschen Versprechungen anlockt, im Akkord verheizt und anschließend nach Gebrauch wieder wegwirft. Jacinto zeigt unberührte Naturkulissen und das Treiben in der Großstadt in schönen und geschmackvoll-eingefangenen Bildern. Die Mischung aus schwulem Softsex und sozialkritischer Story mag für westliche Zuschauer etwas seltsam wirken, ist aber anscheinend für die philippinische Indie-Filmindustrie ein gängiges Mittel, diese traurige Thematik in die Öffentlichkeit zu tragen.

Samstag, 11. Mai 2013

Queens - Schwule Mütter ohne Nerven (Reinas)

Überdrehte spanische Farce von Manuel Gomez Pereira ("Die Last mit der Lust"), der seine fünf Hauptdarstellerinnen Marisa Paredes, Carmen Maura, Veronica Forque, Mercedes Sampietro und Bettiana Blum als attraktiv-provokante, reife Frauen präsentiert und eine Lanze für aufregenden Sex auch im fortgeschritteneren Alter bricht. Die Verbeugung vor Spaniens Regiemeister Pedro Almodóvar - bei dem Paredes, Maura und Forque tragende Rollen spielten - erreicht einen komischen Höhepunkt, wenn Paredes' Schauspielerin mit "Almodóvars Maura" verwechselt wird. Dieser bunte und überdrehte Slapstick ohne jegliche Berührungsängste war in Spanien ein großer Kinohit und ist ein wahres Fest für alle Freunde des gepflegten Durcheinanders.

Sonntag, 28. April 2013

Hamam - Das türkische Bad

Regisseur Ferzan Ozpetek schafft mit seinen atmosphärischen Bildern der türkischen Hauptstadt und gutem Gespür für die Besetzung der Rollen eine anziehende Geschichte von der Entdeckung des Zustandes persönlichen Glücks. Er erzählt von dem sich-Zeit-nehmen, dabei sein eigenes Tempo zu finden und sich von einer Gemeinschaft auffangen zu lassen. Das sensible, detailgenaue Drama handelt zum einen vom Zusammenprall zweier Kulturen, zum anderen vom sexuellen Erwachen eines italienischen Karrieristen. Vor dem Hintergrund der Millionenmetropole Istanbul entsteht so ein mysteriöses, emotionsgeladenes Porträt einer für westliche Augen fremdartigen Welt. Ein auch optisch überzeugendes Film-Juwel, das Cineasten begeistert annehmen werden.

Samstag, 20. April 2013

Frühstück mit Scot

„Frühstück mit Scot“ ist ein warmherziger Film über emotionale Bindungen und den Umgang mit der eigenen Identität, wo die Charaktere bei einigen Wendungen eine lehrreiche Entwicklung durchmachen. Die Geschichte vom unverhofften Neuzugang, der eine Familie auf den Kopf stellt und schließlich doch ins Herz geschlossen wird, ist alles andere als neu, besticht aber durch die eher ungewohnte Verlagerung in die homosexuelle Sparte. Eine Sensation und eine Kontroverse war es, als Toronto Maple Leafs, der größte Eishockeyverein Kanadas, 2006 als erster Ligasportclub überhaupt einer Filmproduktion mit homosexueller Thematik erlaubte, das Vereinslogo, die Trikots und einiges anderes zu benutzen. Überaus erfrischend ist Jungdarsteller Noah Bernett, der den verzauberten Scot absolut hinreißend spielt.

Samstag, 13. April 2013

Die Abenteuer des Sebastian Cole

"Die Abenteuer des Sebastian Cole" ist eine gut beobachtete, stimmungsvolle Coming-of-Age-Tragikomödie der ambitionierten Sorte. Regisseur Tod Williams beschreibt in seiner Geschichte die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens, wenn elterliche Vorbilder fehlen und sonstige Identifikationsfiguren auch nur begrenzt vorhanden sind. Dass der Film so gut funktioniert liegt neben der soliden Inszenierung und der ungewöhnlichen Geschichte vor allem an den beiden charismatischen Hauptdarstellern, Adrian Grenier als Sebastian und Clark Gregg als Hank Alias Henrietta. Adrian Grenier verkörpert den sensiblen Schüler mit Leib und Seele, immer sympathisch und nachvollziehbar. Auch Clark Gregg bringt seine Rolle mit viel Gefühl auf die Leinwand und überzeugt sowohl als Mann, wie auch als Frau.

Samstag, 30. März 2013

Das Ende des Regenbogens

Der 1979 als Debütfilm entstandene Film „Das Ende des Regenbogens“ von Uwe Friessner überzeugt durch seine raue und realistische Story. Das Milieu wird eindringlich und ohne allzu viele Klischees geschildert und auch, wenn einige Dinge durch den zeitlichen Abstand betrachtet, etwas lächerlich wirken, so hat der Film wenig von seiner Aktualität verloren. Der Film ist mit Schauspielern wie Heinz Hoenig und Udo Samel sehr gut besetzt, insbesondere der junge Thomas Kufahl glänzt in seiner Rolle als Stricher Jimmi, und verleiht dem Film eine schier unglaubliche Authentizität. Zudem gibt die schnörkellose Kameraführung und die geradlinige Inszenierung dem Film einen dezenten Dokumentar-Hauch, der sich aber niemals auf die cineastische Qualität auswirkt, sondern eher noch die eindringliche Wirkung des Films verstärkt.

Donnerstag, 21. März 2013

Get Real - Von Mann zu Mann

Get Real ist ein britisches Coming-Out-Drama aus den späten 90ern. Wenn man bedenkt, daß Schwule in England bis vor einigen Jahren ins Gefängnis wandern konnten, gewinnt Regisseur Simon Shores Debutfilm über das sexuelle Erwachen des 16jährigen Steven noch mehr Gewicht, als durch die hochsensible, ernsthafte, kluge und bei allem Anliegen humorvolle Erzählweise selbst schon gegeben ist. Shores streng funktionale Inszenierung, die den hervorragenden jungen Schauspielern Raum für die Ausschöpfung ihres darstellerischen Potentials läßt, überwindet dabei weitgehend die Beschränkungen des zugrundeliegenden Theaterstücks von Patrick White. Für aufgeschlossene Programmkinos dürfte die Story um Selbstfindung und Selbstachtung, Würde und Toleranz ein Film nach Maß sein.


Samstag, 23. Februar 2013

Ich, Tomek

"Ich, Tomek" skizziert unspektakulär aber kompromisslos die Geschichte eines Jugendlichen, der von seinen Bezugspersonen ignoriert, eine Karriere vom Stricher zum Kriminellen durchläuft. Regisseur Robert Glinski erzählt die Entwicklung von Tomek, dem aufgeweckten Sternenkucker, zum Swinka, einem Schweinchen – Umgangssprache für jemanden, der sich verkauft – vielleicht ein wenig zu rasant. Vor allem den Part, in dem Tomek selbst zum korrupten Zuhälter wird. Filip Garbacz, der den Tomek mimt, fängt das geballte Tempo jedoch beachtlich ab, mit seiner eindringlichen und doch sehr zurückhaltenden Darstellung eines unschuldigen, 14-jährigen Grünschnabels mit zu viel Gel in den Haaren, der innerlich zerbricht und dadurch vom Verratenen zum Verräter wird.


Donnerstag, 14. Februar 2013

The Stranger In Us (OmU)

Regiseur Scott Boswell erzählt mit diesem Film eine Geschichte über ausgelebte Sexualität, Großstadteinsamkeit und das Loslassen von Partnerschaften, die nur zur Verdammnis taugen. Jeder will raus, alle wollen geliebt werden. So simpel, so gut – Boswell erzählt authentisch, hat gute Darsteller gefunden und zeichnet seine Figuren nicht schwarzweiß. Anthony, der Nachwuchsschriftsteller, nervt anfangs durch seine Schwäche, aber er macht eine Entwicklung durch. Der hübsche Stricher Gavin tritt eher einen Gang zurück am Ende, was man schade finden kann, vielleicht hätten die beiden auch... Aber genau diese Flüchtigkeit ist es, die Boswells Debüt so greifbar, so glaubwürdig macht. Das Glück liegt längst nicht mehr auf der Straße. Oder wie Gavin es so bewegend erkennt: „Man muß sich so verdammt viel selbst beibringen!“


Samstag, 19. Januar 2013

Alex und der Löwe

So richtig viele schwule Filme kommen nicht aus Deutschland, was vielleicht daran liegt, dass man diesem Genre nicht sonderlich viel zutraut. "Sommersturm“ bewies eindrucksvoll, dass es auch anders geht und solche Filme, wenn sie denn richtig gedreht werden, durchaus auch das Potential haben ihr Publikum zu finden. André Schneider, der hier den Alex spielt, schrieb auch das Drehbuch und fungierte als Produzent. Vor allem das Skript zeigt, wie kreativ und urkomisch man heute arbeiten kann. Hier kann man bei herrlich vielen Szenen wunderbar lachen. Besonders Udo Lutz, der Darsteller des tuntigen Tobi, ragt positiv heraus. Auch wenn Kameraführung und Besetzung bei einigen Kritikern denkbar schlecht wegkommen ist "Alex und der Löwe" kurzweiliges, pointiert gedichtetes, international konkurrenzfähiges Gay Cinema aus deutschen Landen.