Montag, 26. Dezember 2011

Newcastle - (OmU)

Dan Castles Drama Newcastle spielt in der Surferszene der im Osten Australiens gelegenen Stadt Newcastle als Kulisse für atemberaubende Bilder, die von Kameramann Richard Michalak hervorragend eingefangen wurden. Das türkisblaue Meer springt dem Zuschauer förmlich ins Gesicht, wenn die Hauptdarsteller auf ihren Surfbrettern stehen und die Wellen reiten. Der Film wirkt sehr authentisch, seien es die Charaktere oder die Thematik, und spätestens während einer Trauerfeier im Film besteht höchste Gänsehaut-Gefahr. An knackigen Jungs fehlt es dem Film ebenfalls nicht - und man spart auch nicht an Aufnahmen, wo es häufiger mal etwas mehr Haut zu sehen gibt. Zumindest in dieser Hinsicht ist dem Film anzumerken, dass man hier durchaus das Gay-Publikum ansprechen will.


Montag, 12. Dezember 2011

Eine Überraschung zum Fest (Omu)

"Eine Überraschung zum Fest" ist eine wundervolle, kurzweilige Weihnachtskomödie und eine rührende Coming-out-Geschichte. Zum einen schafft es Regisseur und Drehbuchautor Rob Williams eine durch und durch komische und kurzweilige Geschichte zu erzählen, zum anderen hat er für seinen Film auch genau die richtigen Schauspieler finden können. Die beiden Hauptdarsteller sind nicht nur extrem süss, sie spielen ihre Rollen auch absolut perfekt und glaubwürdig. Die Geschichte könnte aus dem Leben gegriffen sein, wenn die Charaktere nicht so pointiert wären. Neben der wohlwollenden Coming-out-Botschaft sind Weihnachtskitsch, Dramatik, Biss und Schrulligkeit wohl dosiert mit einem extra Schuss Humor. Ein süsser Feiertagsfilm, den man sicherlich auch nächstes Jahr wieder kucken mag.


Freitag, 9. Dezember 2011

Mr. Right (OmU)

"Mr. Right" ist eine episodisch strukturierte Meditation zum Themenkreis Liebe und Suche nach dem perfekten Partner. In größtenteils heiter intonierten und selten sonderlich tief schürfenden Fallstudien bringen diverse Charaktere ihre Geschichten ins Spiel, und an mehr oder minder elegant konstruierten Stellen überschneiden sich die Stränge dann. Der Film begeistert mit fein gezeichneten Figuren, die sich lieben, streiten, herumzicken; eitel, angeberisch, verlogen und auch extrem witzig und liebenswert sind. Luke de Woolfson, der den jungen, nach sich selbst suchenden Alex spielt, sticht aus der Besetzung schillernd heraus. Er darf in manchen Szenen furchtbar komische Dinge sagen und tut dies auch noch auf eine total witzige Art und Weise. Er vermag es auch, die innere Zerrissenheit seiner Figur spürbar zu machen und so zu überzeugen.


Mittwoch, 30. November 2011

You Are Not Alone (OmU)

“You are not alone” ist ein sensibles Drama über Jugendliche an der Schwelle zum Erwachsenwerden und die selbst noch nicht wissen, wohin sie ihr Weg führen wird. Ein Film, der in ruhigen und schönen Bildern völlig wertfrei eine wichtige Geschichte über Selbstbestimmung und jugendliche Rebellion erzählt, die auch noch 30 Jahre nach seiner Entstehung den Zuschauer in seinen Bann ziehen wird. “You are not alone” sollte in jeder Schule im Rahmen des Aufklärungsunterrichtes gezeigt und anschließend darüber diskutiert werden. Die Thematik des Heranwachsens hat ja schlussendlich jeder schon einmal erlebt und jeder hat wohl seine eigene Geschichte zu erzählen. Lasse Nielsen Werk zeigt in seinem Film einige dieser Geschichte und es ist ihm damit ein Klassiker des Jugendfilms gelungen, den man schon gesehen haben sollte.




Sonntag, 27. November 2011

House Of Boys

Homosexualität und HIV sind auch heute noch brisante Themen, doch in weiten Teilen der Gesellschaft herrscht mittlerweile im Umgang mit Aids eine Art neue Sorglosigkeit. Mit diesem Film ist dem Luxemburger Regisseur Jean-Claude Schlim ein Queer-Drama gelungen, das dieser Tendenz entgegenwirkt. Der Film beginnt als stimmungsvolles  Sittenportrait des schwulen Amsterdam in den 80ern, wird im weiteren Verlauf zu einer rührenden Liebesgeschichte, um dann als Drama zu enden. Mit Gossencharme vereint die Geschichte vom Erwachsenwerden große Gefühle, schräges Kabarett, heiße Disco-Musik sowie nackte Männerkörper zu einem tabulosen Bildnis einer vergangenen Parallelwelt. Auf etwaige Befindlichkeiten und Berührungsängste heterosexueller Zuschauer wird keine Rücksicht genommen.

Dienstag, 15. November 2011

NAPOLA - Elite für den Führer

Filme über die Auflehnung des Einzelnen gegen ein absolutistisches System gibt es viele. Napola ist hier jedoch etwas ganz besonderes. Regisseur Dennis Gansel vereint in diesem Film über die Eliteschulen der Nazis Geschichte, Systemkritik, Coming-of-age- Drama und das Thema Freundschaft, und zwar ohne Pathos, unverfälscht und sehr authentisch. Dies ist sicherlich auch den tollen Leistungen aller Schauspieler zu verdanken, andererseits aber auch den feinen Kulissen und dem fantastischen Storyboard. Dabei nimmt in diesem Film die Emotionalität besonderen Raum ein, vom Mitgefühl zu den schikanierten Internatsschülern bis hin zur absoluten Abscheu gegen die Skrupellosigkeit der Anführer und der blinden Vernichtungswut der Vertreter des Hitler-Regimes. Napola ist ein Schmuckstück des deutschen Films.


Samstag, 12. November 2011

Das Kuckucksei - Torch Song Trilogy

Das Kuckucksei ("Torch Song Trilogy") basiert auf dem gleichnamigen Broadwaystück und ist eine sehr gelungene Verfilmung, die dank der großartigen Darsteller (Anne Bancroft, Harvey Fierstein, Matthew Broderick) nicht nur unterhaltsam ist, sondern auch mit sehr viel Humor die gesellschaftlichen Verhältnisse in den achtziger Jahren porträtiert und ernste Untertöne aufweist. Nicht zuletzt ist dieser Film wegen der großartigen Anne Bancroft sehenswert, die als konservative jüdische Mutter allen anderen die Show stiehlt. Herausragend an dem Film ist ausserden, daß er  in einer Zeit, in der Schwulsein eigentlich meist nur mit sterbenden AIDS-Kranken verkauft werden konnte zeigt, daß es viel mehr Normalität, viel mehr Zärtlichkeit, Streitigkeiten, Spaß und Probleme in einem schwulen Leben gibt, als es vom Mainstream meist wahrgenommen wird.


Mittwoch, 9. November 2011

Abendanzug - Tenue de soirée

Die Plakate in Paris verkündeten damals, dass "Abendanzug" ein wahrer Lichtblick sei, ein weiterer eben von Regisseur Bertrand Bliers zynischen, abenteuerlichen Streifzügen in die Welt der farbenprächtigen Satire. Mitte der 80-er inszenierte Blier diese bitterböse "ménage à trois" und scheute sich auch nicht, Frauenfeindlichkeit zu zeigen. "Eine brillant gespielte und wirkungsvoll inszenierte Komödie, die grelle Schlaglichter auf die Gesellschaft und zwischenmenschliche Machtstrukturen wirft", lobte das "Lexikon des Internationalen Films" Bliers deftiges Werk. An ebenso ordinären wie obszönen Dialogen ließ es der Filmemacher zur Freude Depardieus, der die Rolle mit Begeisterung annahm, übrigens nicht mangeln. Der fast ausnahmslos im Studio gedrehte Film war 1986 einer der erfolgreichsten Filme im französischen Kino.

Freitag, 4. November 2011

Yossi & Jagger - Eine Liebe in Gefahr

Regisseur Eytan Fox hat Yossi & Jagger ursprünglich für einen Kabel-TV-Sender gedreht, bei seiner Kinoauswertung wurde der Film in Israel zum Hit. In der Darstellung des Militärs fanden sich viele junge Israeli wieder, und die Liebesgeschichte wurde international auf Festivals interessiert aufgenommen. Durch seine Nähe zu den Protagonisten und den intensiven Blick auf ihre emotionalen Verstrickungen, durch die gelungene Charakterzeichnung und die überzeugende Stimmung ist der Film auf jeden Fall faszinierend. Der Film hatte trotz seines Themas viel Erfolg in Israel. Yehuda Levi, der Jagger spielt, ist in Israel als Star und Teenieschwarm bekannt. Yossi & Jagger wurde mit zahlreichen Preisen prämiert, u. a. beim Verzaubert International Queer Filmfestival 2003 als Bester schwuler Spielfilm.

Dienstag, 1. November 2011

Autopsy - Bis dass der Tod uns scheidet (OmU)

Autopsy ist ein schwules Coming-Out-Drama in Gestalt eines harten Kriminalthrillers, spannend gedreht wie ein Hollywood Film und doch viel näher an der Realität. Ein ungewöhnliches Setting (hartgesottener Bulle verliebt sich in einen attraktiven Pathologen) macht diesen spannenden Krimi aus Frankreich zu einem außergewöhnlichen, aber auch verstörenden Film: Hauptdarsteller Stéphane Freiss spielt einen knallharten, homophoben Polizeimacho, der in den Strudel seiner Gefühle gerät, als er während der Autopsie der Leiche eines schwulen Medizinprofessors plötzlich in Ohnmacht fällt, und in den darauf folgenden Tagen verwirrt feststellen muss, dass ihm der offen schwule Arzt Emmanuel nicht mehr aus dem Sinn geht. Auch die anderen Schauspieler überzeugen.


Sonntag, 30. Oktober 2011

Die Konsequenz

Der 1977 in schwarz/weiss gedrehte Film des damals noch wenig bekannten Regisseurs Wolfgang Petersen, sorgte bei seiner Erstausstrahlung im Deutschen Fernsehen für grosses Aufsehen: Zu einer Zeit, in welcher der §175 des Deutschen Strafgesetzbuches homosexuelle Handlungen noch unter Strafe stellte, fühlte sich der Bayerische Rundfunk einmal mehr berufen seinem Publikum vorzuschreiben was es sehen darf, und klinkte sich aus dem gemeinsamen ARD-Programm aus. Produziert wurde Die Konsequenz von Bernd Eichinger nach dem gleichnamigen, autobiografischen Roman des Schweizer Schriftstellers und Schauspielers Alexander Ziegler, der auch am Drehbuch mitarbeitete. Die Konsequenz erhielt 1977 den Adolf-Grimme-Preis und 1978 den Deutschen Kritikerpreis.

Dienstag, 25. Oktober 2011

Love of Siam - Rak Haeng Sayam (OmU)

The Love of Siam könnte eine ganz normale Teenager-Lovestory sein. Aber er ist mehr! Er ist ein kleines Familienepos, das zeigt, wie sehr der Verlust eines Kindes eine Familie zerrütten kann, ein tiefgründiges Drama über die Bedeutung von Freundschaft, Liebe und Verlust, und einer der schönsten schwulen Coming-of-Age-Filme, die je gedreht wurden. Dem Vergleich mit Coming-out-Klassikern wie „Beautiful Thing“ oder „Sebastian“ hält das thailändische Drama locker Stand. Dass hier aber eine Liebesbeziehung zwischen zwei Jungen in den Mittelpunkt eines Films gestellt wird ist schon außergewöhnlich. Bemerkens- wert, dass gerade ein asiatischer Film demonstrieren muss, wie man ein Thema groß ins Kino bringt, das sich bei uns nur in Form der Quotenschwuchtel in drittklassigen TV-Soaps an ein breiteres Publikum wendet. 


Samstag, 22. Oktober 2011

Coming Out

Viele Jahre musste DDR-Regisseur Heiner Carow die DEFA bearbeiten, bis ihm Ende der 80er erlaubt wurde, das mutige Filmprojekt zu realisieren. Carows Film ist der einzige Film der DDR, der eine homosexuelle Geschichte erzählt. Zudem ist die Premiere von "Coming Out" geschichtsträchtig: diese fand im Kino International am 09.11.1989 statt, und die Premierenfeier wurde unterbrochen, um den Fall der Berliner Mauer zu verkünden. Der Realismus des Films besteht auch darin, dass die nackten Männerkörper zärtlich beieinander liegen und die Kamera ohne Scham auf ihnen verweilt. Was heutzutage kaum erwähnenswert scheint, war unter den Umständen in der DDR bemerkenswert. Zudem bietet der Film einen guten Einblick in die lebhafte schwule Szene Ostberlins durch den Dreh in der seit 2000 geschlossenen Bar Zum Burgfrieden.


Montag, 17. Oktober 2011

Bangkok Love Story (OmU)

Kameramann Tiwa Moeithaisong erhielt bei den „Thailändischen Oscars“ die Auszeichnung in der Kategorie „beste Kamera“. Es ist schier unglaublich welch künstlerisch eindrucksvollen Bilder dieser Mann einfängt. Man ist geradezu berauscht von der Farbwahl und den wundervollen Momentaufnahmen. In Thailand war die Zensurbehörde nicht besonders angetan davon, dass Itt, eine der beiden Hauptfiguren, im ersten Drehbuch- entwurf als Polizist deklariert war - schwule Polizisten darf es im Königreich wohl nicht geben. Der fertige Film lässt daher Itts berufliche Bindung zur Justiz im dunkeln. Bangkok Love Story gilt als Revolution des thailändischen Kinos, da sich dort schwules Kino bisher nicht durchsetzte. Bei den Thailand National Film Association Awards erhielt dieser Film 3 Auszeichnungen (Beste Kamera, bestes Drehbuch, bester Ton)


Montag, 3. Oktober 2011

Brokeback Mountain

Brokeback Mountain spielt zwar im Cowboy-Milieu, ist aber kein Western im üblichen Sinne. Vielmehr beginnt das gefühlvolle Drama um die letztlich unerfüllt bleibende homoerotische Romanze zweier Schafhirten in den 1960er Jahren und erstreckt sich über rund 20 Jahre. In den USA hat der Film besonders viel Aufsehen erregt. Bei den im Januar 2006 verliehenen Golden Globe Awards war der Film geradezu der Abräumer (bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch und bester Filmsong). Für sein Filmprojekt musste Regisseur Ang Lee hart kämpfen. Zunächst wurde Brokeback Mountain, als eigentlich sicherer Kandidat aus dem Filmfestival in Cannes ausgeschlossen. Dann folgte eine empörte Welle von Protesten in den USA, und alles nur wegen eines Plots, der in einer aufgeklärten Welt eigentlich keinen Gesellschaftszorn mehr erregen sollte.


Samstag, 24. September 2011

Querelle - Der Pakt mit dem Teufel

Querelle, Fassbinders letzter, und nach seinen Aussagen wichtigster  Film, nach einer Romanvorlage on Jean Genet vor seinem Tod gedreht, scheint auf den ersten Blick den Zyklus von Figuren, die sich fatalerweise in ihren Doppelgänger verlieben, zu vervollständigen. In diesem hermetischen Paradies des Hafens von Brest, schwelgend in der obszessiv-phallischen Welt der Matrosen und Lederjungs, wird es beinahe unmöglich, die Figuren zu unterscheiden oder zur verfolgen, wer sich mit wem überidentifiziert oder sich in wem negativ verdoppelt sieht. Alles scheint künstlich und zeitlos, selbst das Medium, die Kulisse, die Figuren, die Dialoge. Die künstliche Sonne hängt am Horizont, und taucht alles in ein grelles Licht zwischen Orange und Gelb, nur ab und an strömt ein kaltes Blau durch die Räume, die so für immer festgelegt scheinen wie die Figuren, die sich in ihnen bewegen.


Donnerstag, 22. September 2011

Brüder - Comme un frère (OmU)

"Comme un frére" ist ein melancholisches und nachdenkliches Coming-Out-Drama, und zeigt die ersten Schritte zum selbständigen Erwachsenen eines schüchternen Jungens. Gefühlvoll und mit schönen Bildern gefilmt, springt der Film zwischen Gegenwart und Vergangenheit der Personen hin und her. Ein schöner, leiser, leider mit 55 Minuten etwas zu kurzer Film, der in so manchen Szenen bei vielen eigene Erinnerungen wieder aufruft. Zwar bietet der Film der französischen Newcomer Bernard Alapetite und Cyril Legann nichts neues, aber er lässt sich gut anschauen, was auch an den guten Schauspielern liegt, die in ihren Rollen ganz natürlich wirken, und dazu auch noch recht gut aussehen. Das Low-Budget-Debüt lief auf etlichen Festivals bevor es seine Deutschlandpremiere auf DVD feierte.

Montag, 19. September 2011

Westler

Wieland Speck, Leiter des Panoramas der Berlinale, inszenierte diesen außergewöhnlich zärtlichen Liebesfilm bereits schon im Jahr 1985, zum Teil mit versteckter Kamera im Osten Berlins. Der Film gilt als ein Höhepunkt des deutschen schwulen Films, wobei es in Westler beileibe nicht nur um homosexuelle Liebe geht. Vielmehr geht es um ein System, das Menschen, politische Weltanschauungen und nicht zuletzt Alte von Neuer Welt trennt. Der Film erzählt die Geschichte des West-Berliners Felix, der sich bei einem Tagesbesuch mit einem amerikanischen Bekannten in den Ost-Berliner Thomas verliebt. Westler zeichnet sich insbesondere aus durch sein für die Zeit realistisches Portrait einer homosexuellen Beziehung unter schwierigen Umständen und durch die heimlich gefilmten Szenen in Ost-Berlin.


Montag, 12. September 2011

C.R.A.Z.Y. - Verrücktes Leben

In sehr genauen Momentaufnahmen überträgt der Regisseur das jugendliche Lebensgefühl der Hauptfigur Zac auf die Zuschauer. Seine Bilder sind vielsagender als Worte, zum Beispiel Zacs Gesichtsausdruck, als Bruder Raymond endlich einmal den Kürzeren zieht, oder das angespannte Kreisen der Blicke in einer Männerbar. Prägende Erfahrungen, das ruft dieser Film deutlich in Erinnerung, ähneln einem Feuerwerk: Sie entfalten sich oft in wenigen Sekunden. Das Tabu von Zacs homosexuellen Neigungen zieht auch die Eltern in einen Strudel der Wandlung. Die Beziehung zu ihnen und der Kampf um ihre Anerkennung begleiten Zac über sehr viele Jahre, holen ihn an den entlegensten Orten heim. Nichts wirkt stärker im Leben als Familie, und in „C.R.A.Z.Y.“ sitzt man quasi mit am Küchentisch.




Freitag, 2. September 2011

Boy Culture

Regisseur Q. Allan Brocka, (Eating Out) der gleichzeitig das Drehbuch schrieb, liefert erneut einen tiefgründigen und mit viel Wortwitz versehenen Film ab, der romantisch, erotisch und unterhaltend geraten ist. Mit viel Liebe wurden hier tolle Figuren auf die große Leinwand gebracht und mit originellen Dialogen ausgestattet. So muss schwules Kino sein. Nach dem Roman von Matthew Rattenmund inszenierte Brocka ein schwules Popart-Mosaik, das sich darin gefällt, seine edle Ausstattung und gut aussehende Jungs ins rechte Licht zu rücken. Der elegante, manchmal aber auch oberflächliche Beziehungsreigen über eine schwule WG, der beim Verzaubert Festival 2006 als Eröffnungsfilm beklatscht wurde, gefällt durch seine entspannte, selbstverständliche Haltung, die auch so manche Erzählschwäche spielend wettmacht.


Mittwoch, 24. August 2011

Cruising

CRUISING bricht mit vielen Tabus, lotet Grenzen aus und definiert sie neu. Die Lederszene, die auch unter Homosexuellen umstritten ist, gewährt selten Einblicke in ihre inneren Strukturen und Rituale. William Friedkin (DER EXORZIST) sandte Al Pacino somit auf eine Reise, die nicht nur einen heterosexuellen Mann um den Verstand bringen kann. Pacino erarbeitete die psychologische Zerreißprobe des Steve Burns derart intensiv , dass es einem kalte Schauer über den Rücken jagt. CRUISING ist kontrovers und schockierend - ein Film, der es verdient, dass man sich mit ihm auseinander setzt. Der Film ist auch deshalb so faszinierend, da er mehr Fragen aufwirft als er beantwortet. Am Ende weiß keiner so genau, wer nun der Möder ist.

Freitag, 12. August 2011

Taxi zum Klo

"Taxi zum Klo" gehört neben "Westler" sicher zu den herausragenden deutschen schwulen Filmproduktionen. Regisseur Frank Ripploh, der auch selbst die Hauptrolle spielt, zeigt die Situation der siebziger/achtziger Jahre in Westberlin. Er zeigt ein freizügiges Sexleben, dass eben auch mit allen lästigen Begleiterscheinungen ausgekostet wurde, wie dem regelmäßigen Besuch beim Arzt wegen irgendwelcher Geschlechtskrankheiten. Im Film ist sehr expliziter Sex zu sehen, darunter eine SM-Szene mit Natursektspielchen oder ein Blowjob auf einer Klappe. Die Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) hat dennoch eine Freigabe ab 16 erteilt. Der Film erhielt 1981 den Max-Ophüls-Preis auf dem Festival Saarbrücken, und wurde 1982 von der Boston Society of Film als "bester fremdsprachiger Film" ausgezeichnet.

Samstag, 6. August 2011

The Rocky Horror Picture Show

Die Rocky Horror Picture Show ist wohl mittlerweile einer der grössten und angesagtesten Kultfilme aller Zeiten. Dabei war er bei seiner Erstaufführung im Jahr 1975 eher ein Flop, doch eine hartnäckige, ständig wachsende Fan- gemeinde, die sich den Film immer und immer wieder ansah, sorgte dafür dass dieser Kultfilm auch heute noch, nach mehr als 30 Jahren, immer wieder regelmässig in den Programmkinos gezeigt wird. Wer es noch nicht erlebt hat sollte sich den Film unbedingt im Kino ansehen, denn die "echten" Fans dieses Kultfilmes erscheinen zur Vorstellung in Strapsen und mit Requisiten wie Reis, Zeitungen und Wasserpistolen, und machen dadurch den Kinobesuch zu einem besonderen Erlebnis

Sonntag, 31. Juli 2011

Prayers for Bobby

Prayers for Bobby behandelt Homosexualität, Toleranz und Intoleranz, und die aus fundamentalistischer Religiösität resultierende Homophobie mit dem nötigen Respekt, und basiert auf der wahren Geschichte von Bobby Griffith, eines 20-jährigen Mannes aus Walnut Creek, einer Vorstadt von San Francisco in Kalifornien. Prayers for Bobby“ verursacht eine Gänsehaut, denn auch wenn sie die tragische Geschichte Anfang der 80er Jahre zugetragen hat, so ist sie leider auch heute noch aktuell, denn ob in den USA oder in Deutschland, noch immer gibt es Bemühungen Schwule zu „heilen“; ihnen einzureden, ihr Leben und ihre Liebe sei eine Fehler. Und noch immer gibt es Eltern, die ihren Kindern derartiges zumuten; Eltern, die ihre Kinder zwar lieben, aber nicht so, wie sie sind.

Dienstag, 26. Juli 2011

Save Me ( OmU )

Regisseur Robert Cary geht in diesem Film das Thema Homosexualität von einer anderen, weitgehend unbekannten Seite an. Der Film spielt in einem christlichen Umerziehungslager, in dem Homosexuelle von ihren sündhaften Neigungen "geheilt" werden sollen. Jeder Charakter in diesem Film hat seine Konflikte, mit denen umzugehen er lernen muss. Das macht das Bild vielschichtig und menschlich. In Save Me wird weniger Fokus auf das Umerziehungsprogramm als auf die persönlichen Zwiespalte gelegt. Das spiegelt sich in den abwechselnden Therapieszenen wider, in denen die unterschiedlichen Gefühle der Männer geäußert werden. Des Weiteren handelt der Film nicht von Teenagern, sondern von selbstbestimmten und gar nicht mal so hübschen Erwachsenen, was ebenfalls etwas eher untypisch für das Queer Cinema ist.

Mittwoch, 13. Juli 2011

Der Masseur ( OmU )

Nach zwanzig Jahren als Produktionsdesigner für Werbeclips debütierte der Filipino Brillante Mendoza 2005 mit dieser in acht Tagen gedrehten Videoproduktion - heute ist er ein vielfach preisgekrönter Star des internationalen Autorenkinos (u. a. 2009 Regiepreis in Cannes für "Kinatay"). Sein Frühwerk erzählt vom jungen Iliac (Coco Martin), der sich in einem Massagesalon für Schwule prostituiert. Iliacs Arbeitsalltag wird mit den Erlebnissen rund um den Tod seines Vaters kontrastiert. Um diese Gegensätze zwischen Tod und Sexualität, um Rituale, gegensätzliche Gefühlslagen und um die Widersprüche in Iliacs Leben geht es Mendoza. Wobei sein Film ganz von der Inszenierung lebt, Kamera und Bildkomposition sind superb. Eine Handlung oder Charaktere sucht man allerdings vergebens.

Donnerstag, 7. Juli 2011

Latter Days

Mit Latter Days präsentiert Regisseur C. Jay Cox, der schon das Drehbuch zu Sweet Home Alabama (2002) verfasste, sein Spielfilmdebüt in Form einer tragikomischen Liebesgeschichte. Nachdem Filme mit schwulen Inhalten zum Großteil eher aus der Kunstecke kommen und kommerzielle Erfolge wie The Birdcage (1996) oder (T)raumschiff Surprise (2004) hauptsächlich aus slapstickhaftem Rumgeblödel bestehen, vermisst man so etwas wie ein qualitativ hochwertiges Mainstreamkino für Schwule. Latter Days bietet eine perfekte Mischung aus Humor, Drama, Pathos und Sex und erfüllt damit alle Anforderungen um diese Lücke zu schließen, weil er sowohl leicht zugänglich als auch allgemeingültig ist und deshalb zu so etwas wie dem Pretty Woman für Schwule werden könnte.

Mittwoch, 29. Juni 2011

Der Dorflehrer

In grandiosen Bildern fängt der international renommierte Regisseur Bohdan Sláma zwei verletzliche, melancholische Charaktere und die warmherzige Geschichte ihrer romantischen Freundschaft ein. Sláma gelang eine wunderschön gefilmte, beeindruckend gespielte und tief bewegende Geschichte über zwei Menschen, die sich innig nach Liebe sehnen und doch nicht zusammen kommen können. Es ist ein Film, dessen Ende ein klein wenig vorhersehbar ist, was seine Kraft und Wirkung aber nicht schmälert. Was den Film auszeichnet, ist die Tatsache, dass er kein einfaches dynamisches Dorfgefüge bietet, sondern das Leben mit all seinen komplexen Elementen darstellt. So muss man dem Film zuallererst zugute halten, dass er sehr realistisch ist und es dieser Realismus ist, der den Zuschauer in den Bann zieht.

Samstag, 25. Juni 2011

Das Gesetz der Begierde

16 Filme hat der spanische Regisseur Pedro Almodóvar bisher gedreht, ein Gesamtwerk, das stilistisch und thematisch so geschlossen erscheint wie das kaum eines anderen europäischen Filmemachers. Almodóvars fünfter Film "Das Gesetz der Begierde" ist keine Ausnahme, auch hier variiert der Meister seine großen Themen: Einsamkeit, Rollenspiele, Verwandlungen und Künstlerprobleme. Der Abschluss von Almodóvars Frühwerk ist ein überraschend tiefgründiges Melodrama, das er mit Elementen von Ironie, Kitsch, Thriller, nicht zuletzt aber auch Tragödie durchsetzt.  Ein ungezügeltes filmisches Bravourstück, bei dem nicht nur die Fans des Regisseurs, sondern auch die der spanischen Schauspielstars Antonio Banderas und Carmen Maura auf ihre Kosten kommen.

Montag, 20. Juni 2011

Mysterious Skin - Unter die Haut

Dieser Film ist nichts für zarte Gemüter. In erschreckender, ja geradezu verstörender Deutlichkeit behandelt er die Geschichte zweier Jugendlicher, welche unterschiedlicher nicht sein könnten, die als Kinder von ihrem Baseball-Trainer sexuell missbraucht wurden. So verschieden die beiden sind, so unterschiedlich ist auch die Art und Weise wie sie mit dem erlebten umgehen. Dem Regisseur Gregg Araki ist es gelungen dieses äusserst heikle Thema absolut realistisch umzusetzen, wobei dieser Realismus in einigen Szenen schon recht hart an die Grenze des gerade noch erträglichen geht. Auch sind die jugendlichen Schauspieler sehr überzeugend, allen voran Joseph Gordon-Levitt in der Rolle des gefühlskalten Strichers Neil. Ein ausgezeichneter Film zum Thema Misbrauch, der buchstäblich unter die Haut geht.

Freitag, 17. Juni 2011

Eleven Men Out - Strákarnir Okkar

Schwule Fussballer sind noch immer keine Selbstverständlichkeit. Wärend in anderen skandinavischen Ländern Homosexualität weitgehend als akzeptiert gilt scheint das in Island noch in weiter Ferne. Regisseur Róbert I. Douglas sagt selbst über seinen Film: "Mein Film erklärt, was es bedeutet, als Schwuler in einer so vom Machismo geprägten Gesellschaft wie der isländischen zu leben, samt ihrem stereotypen Bild vom Mann als hart arbeitendem und ebenso hart trinkendem Fischer."  Tatsächlich sind die Männer in Eleven Men Out allesamt wahre Prachtexemplare der machistischen Sorte, es wird gesoffen und mit der eigenen Männlichkeit herumgeprahlt. So ist es kein Wunder, dass sich in dieser dumpfen Atmosphäre nach wie vor die Mär hält, Schwulsein sei eine womöglich ansteckende Krankheit, die immerhin aber heilbar sei.

Dienstag, 14. Juni 2011

Wäre die Welt mein (OmU)

"Ein Sommernachtstraum", Shakespeares Klassiker lieferte die Vorlage für dieses unkonventionelle, bunte Gay-Musical, das nicht nur wegen der farbenprächtigen Theaterkostüme und der knackigen Musik richtig gute Laune macht. Die weitestgehend unbekannten Jungakteure überzeugen sowohl gesanglich als auch schauspielerisch auf ganzer Linie. Regisseur Tom Gustafson gelang eine kleine Sensation - eine Perle des neuen Queer Cinema, die sowohl Zuschauer als auch Kritiker begeisterte und auf vielen Top 10 Listen der besten Independent Filme in den USA landete. Gelobt wurde von den Festival-Jurys neben der augenzwinkernden Sozialkritik in erster Linie der interessante Aufbau der Geschichte. Der Film ist elffacher Gewinner von Publikumspreisen und wurde zwölffach mit Jury Preisen ausgezeichnet.

Donnerstag, 9. Juni 2011

Paragraph 175

Paragraph 175, 1794 initiiert und 1935 verschärft stellte unter der Naziherrschaft "Unzucht unter Männern" unter strenge Strafe. Während Schwule in den zwanziger Jahren ihre Homosexualität offen ausleben durften, landeten sie in den späten Dreißigern mit einem rosa Winkel als Erkennungszeichen auf der Uniform im KZ, wurden gefoltert, umgebracht. Die preisgekrönten Regisseure Rob Epstein und Jeffrey Friedman nahmen sich des kaum aufgearbeiteten Themas der Homosexuellenverfolgung im Dritten Reich an. Sie fanden fünf Verfolgte, alle weit über 90 Jahre, die über ihre schlimmen Erfahrungen berichten. Mit Hilfe des Historikers Klaus Müller geben die beiden außerdem einen geschichtlichen Überblick über das Gesetz.



Sonntag, 5. Juni 2011

Watercolors - (Omu)

Filme, welche den Zuschauer zutiefst emotional berühren, gibt es nicht allzu viele. Der hier vorgestellte Film, Watercolors, erfüllt diesen Anspruch zu 110%. Es ist eine herzzerreißende, kraftvolle Liebes- und Coming-Out-Geschichte, die man so schnell nicht wieder vergißt, mit einer der schönsten, wenn nicht überhaupt der schönsten Liebesszene, die es im schwulen Kino gibt. Auch das nichtschwule Publikum wird sich dem Zauber dieses Filmes kaum entziehen können, zumal der Regisseur David Oliveras es meisterlich versteht die sexuellen Abenteuer der beiden Hauptfiguren völlig unbefangen, glaubwürdig und in wunderschönen Bildern mit subtiler Erotik in Szene zu setzen. Diesen Film muss man einfach gesehen haben. Leider wurde er nie in deutsch synchronisiert.


Besonders zu erwähnen ist auch der liebevoll zusammengestellte Soundtrack, und hier speziell das ergreifende "love theme" des Komponisten Marcelo Cesena, welches die Liebesszenen in genialer Weise untermalt, hier anzuhören >>> Hier klicken

Samstag, 28. Mai 2011

Broken Sky

Mit "Broken Sky" gelingt Regisseur und Drehbuchautor Julián Hernández eine wunderschöne Liebesgeschichte, der klassische Erzählrhythmen gleich in den ersten Minuten beiseite schleudert und sich einem langsamen Tanz der Liebe, des Sex, der Ablehnung, des Schmerzes und der Rückkehr hingibt - so wie sich Gerardo und Jonas beinahe selbstvergessen einander hingeben. Hernández setzt ganz auf seine Hauptdarsteller. Der Film kommt kommt fast gänzlich ohne Dialoge und Sprache aus. Das meisterhafte Kunststück dieses visuellen Filmes besteht darin, eine simple Geschichte in einen 140 Minuten langen Film zu zerdehnen, ohne dabei langweilig zu werden, sondern vielmehr aus der Beobachtung heraus geduldige Spannung zu erzeugen. Der Film setzt auf die universell verständliche Sprache des Körpers, nicht der Stimme.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Ein Leben lang kurze Hosen tragen

Regisseur Kai S. Pieck erzählt die Geschichte des jugendlichen Kindermörders Jürgen Bartsch mit dem Mittel eines Video-Monologs seiner Hauptfigur, der auf veröffentlichten Aufzeichnungen und Briefen von Bartsch zurückgreift. In Rückblenden wird die trieste und lieblose Kindheit und Jugend des Täters in den 50er und 60er Jahren gezeigt. Der Film zeigt die beklemmende Gefühlskälte in seinem Elternhaus, aber er erzählt auch von seiner Beichte nach der ersten Tat und seiner unterdrückten Homosexualität. Dabei verzichtet der Film gänzlich auf Voyeurismus und spekulative Effekte, sondern gestattet einen nüchternen, kühlen Blick auf die ungeheuerlichen Taten Bartschs


Montag, 23. Mai 2011

Dream Boy (OmU)

Als Regisseur James Bolton Jim Grimsleys gleichnamigen Roman in die Hände bekam, konnte er das Buch nicht mehr beiseite legen. Bolton wuchs als schwuler Jugendlicher selbst in den Südstaaten auf, und konnte sich daher gut in die Haut der beiden Jugendlichen hineinversetzen. Wie er bestätigt, ist es auch heute noch schwierig, außerhalb von US-Metropolen als Teenager ein normales, schwules Leben zu führen. Die Selbstmordrate vor allem unter schwulen Jugendlichen ist in den USA sehr hoch, weshalb es sich Regisseur Bolton zur Aufgabe gemacht hat, einen Film über Freundschaft, Liebe und Hass zu machen. Hauptdarsteller Stephan Bender stand nicht zum ersten Mal vor der Kamera. In Bryan Singers "Superman Returns" aus dem Jahr 2005 spielt er die Rolle des jungen Clark Kent.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Mambo Italiano

An den Grundfesten der italienischen Familie rüttelt der kanadische Regisseur Emile Gaudreault, und folgt damit dem Trend zum Culture-Clash im Kino Derber, aber immer liebevoller Witz, teils gnadenlose Gefühlsausbrüche am laufenden Band, förmlich in ihrer Spielfreude watende Schauspieler und mit Luke Kirby ein Hauptdarsteller wie aus Zuckerguss: was will man denn mehr?! Hier geraten Klischees zur Basis ironisch brechender Gags, werden weder Homos noch Heteros in Watte gepackt bzw. auf fiese Weise vorgeführt. Ganz nebenbei erfährt das typisch italienische Lebensgefühl sarkastische Seitenhiebe. Wer - unabhängig von sexueller Ausrichtung, Nationalität oder Geschlecht - die Fähigkeit besitzt, auch mal über sich selbst lachen zu können, kommt um "Mambo Italiano" einfach nicht herum. 

Freitag, 13. Mai 2011

Gods And Monsters

In stilvollen Bildern zeigt uns Regisseur Bill Condon die letzten Wochen des Frankenstein-schöpfers James Whale. Dabei ist am Schluß kaum etwas so, wie es am Anfang schien. Als informative Biographie scheitert dieser Film, denn er stiftet mehr Verwirrung als er Rätsel lösen würde, aber gerade das macht den Reiz dieser Reminiszenz aus. Fragen werden in Gods And Monsters Dutzende aufgeworfen und für jede Frage zudem mindestens zwei Antworten präsentiert. Warum hörte Whale auf Filme zu machen? Wegen seiner Homosexualität, seiner körperlichen Schwäche, seiner Abneigung gegen Hollywood? Neben der gelungenen Regie, dem geistreichen Drehbuch und dem großartigen Ian McKellen als James Whale, glänzt dieser Film auch durch die wunderbare Musik von Carter Burwell.

Mittwoch, 27. April 2011

Beautiful Boxer

"Beautiful Boxer" basiert auf einer wahre Geschichte. Der Film erzählt sie mit den klassischen Mitteln des Boxerdramas la "Rocky". Die Initiation, in der der Held seine Begabung erkennt, Ausbildung, Verbesserung und wachsender Erfolg, die Krise, in der das neue Selbstbild und das wahre Ich der Hauptfigur in Konflikt geraten, Überwindung der Krise durch einen "großen Kampf" und Erlösung durch Befreiung zum Ich. Dabei besitzt der Film viele leise Momente, er ist klug und eindringlich inszeniert, und lebt von einem großartigen Hauptdarsteller. Dabei bedient der Film bei all seinen Stärken, trotzdem auch ein Stück vom etwas verzerrten Bild, das man im Westen offenbar vom thailändischen Kino hat. Denn immer wieder finden in europäische Festivals Filme aus Thailand Eingang, in denen die klaren heterosexuellen Geschlechtergrenzen verschwimmen.

Donnerstag, 21. April 2011

Meeresfrüchte - Crustacés et coquillages

Die Regisseure Ducastel und Martineau haben zuvor schon bei Projekten wie Felix und Mein wahres Leben in der Provinz zusammengearbeitet, die immer das Schwulsein in den Mittelpunkt stellten. In gewisser Hinsicht ist auch Meeresfrüchte ein schwuler Film. Dennoch geht es nicht vordergründig, wie sonst bei dem Regiepaar, um homosexuelle Identität oder Selbstbehauptung. Dieses Mal haben sie eine Komödie gedreht. Schwulsein ist nur eine unter mehreren frei wählbaren Möglichkeiten, mit der alle Beteiligten am Schluss weitaus weniger Probleme haben als es außerhalb eines so charmanten Films wohl möglich wäre. Sex bestimmt die gesamte Handlung, nicht nur das darüber Reden sondern auch das Tun, und weil es sich um eine Komödie handelt, ist der Sex Quelle von Fröhlichkeit und Lachen.

Sonntag, 17. April 2011

Garcon Stupide - Dummer Junge (OmU)

Das Spielfilmdebüt des Schweizerischen Filmemachers Lionel Baier ist ein gewagtes, aber gelungenes Experiment zwischen Spielfilm und Dokumentation, das mit verschiedenen Ebenen, Realitäten und Erzählhaltungen spielt. Dabei bedient sich Baier in einigen Szenen, in denen die Hauptfigur Loïc seinen Obsessionen fröhnt, der Split-Screen-Technik, die man von Filmen wie etwa Woodstock kennt. Eigentlich hatte Regisseur Lionel Baier das Projekt nach 14-monatiger Arbeit am Drehbuch schon aufgegeben, doch hatte der grossartige Hauptdarsteller Pierre Chatagny, der die Sexszenen herrlich unverkrampft und authentisch spielt, ihm dermaßen imponiert daß er beschloss das Projekt wiederzubeleben. Entstanden ist eine bewegende und provokante Geschichte über einen Jungen, der sich hinter seinen sexuellen Exzessen vor dem Leben versteckt.

Mittwoch, 13. April 2011

Dorian Blues

Dorian Blues ist eine freche Komödie über die Schwierigkeiten des Coming-Out mit all seinen Hürden, von der anfänglichen Unsicherheit bis zur ersten Liebe, und spielt in der Umgebung einer spießigen, amerikanischen Kleinstadt. Die Hauptfigur Dorian ist dabei Außenseiter inmitten eines scheinbar normalen, in Wirklichkeit aber äußerst neurotischen Umfelds. Der Regisseur und Drehbuchautor Tennyson Bardwell inszeniert dieses Thema mit einer gekonnten Mischung aus ernstem Hintergrund und einer leichten, aber niemals oberflächlichen Herangehensweise. Eine der Stärken dieses Films ist sicherlich die über weite Strecken gut funktionierende Situationskomik.  Dorian Blues erntete bei zahlreichen kleineren Festivals in den USA begeisterte Zustimmung und konnte etliche Preise einheimsen. Wahres Independent-Kino der unbekümmerten Art.

Freitag, 8. April 2011

Priscilla - Königin der Wüste

Diese Travestie-Komödie hat alles was ein Film haben muß, eine gute Geschichte, tolle Bilder, grandiose Kostüme, ein super Soundtrack und klasse Schauspieler. Mit diesem Film hatten die Schauspieler Hugo Weaving (bekannt aus Matrix, er spielt dort das Programm Smith) und Guy Pearce ( bekannt aus Memento / L.A. Confidential ) ihren Durchbruch. Besonders hervorzuheben sind die tollen Kostüme der drei Drag Quenns im Film, die mit einem Oscar prämiert wurden. Auch ein Highlight ist der Soundtrack. Er beginnt in den 30ern und geht bis zu CeCe Peniston´s "Finally", welches seiner Zeit neu herauskam. Eine interessante Geschichte zum Film: Am Abend nach dem "11. September" hatte man brutale Filme aus dem Programm genommen. Sender auf der ganzen Welt wollten "Stirb langsam" zeigen. "Priscilla" wurde in dieser Nacht der Ersatzfilm überhaupt.


Samstag, 26. März 2011

Straight

"Straight" ist das Erstlingswerk des Regisseurs und Drehbuchautors Nicolas Flessa, und als solches ein typischer Independentfilm. Die Low-Budget-Produktion ist eine Bi-schwule Dreiecksgeschichte. vor dem Berliner Multi-Kulti-Hintergrund. Leider wurde bei der Tonqualität ärgerlicher Weise ziemlich "geschlampt". So sind stellenweise die Darsteller kaum zu verstehen. Sehr schade, denn an den schauspielerischen Leistungen von Florian Sonnefeld und Beba Ebner ist absolut nichts auszusetzen, und vor allem der gutaussehende Eralp Uzun glänzt in der Rolle des Macho-Türken und Gelegenheitsdealers Akin. Dies und die Geschichte selbst lassen uber die qualitativen Mängel hinwegsehen.


Dienstag, 22. März 2011

Lattenknaller - Männer wie wir

"Männer wie wir" ist eine unverkrampfte und spritzige und Komödie die gründlich mit dem Klische aufräumt Fussball wäre ein reiner Macho-Sport. Dieser Film knackt in amüsanter Weise die letzte Bastion der "echten Männer", den "Heten-Sport" Fussball, der jedes Wochenende Millionen stoppelbärtiger, gröhlender Kerle in die Stadien lockt. Dabei wird spielerisch nahezu jedes Klische verwurstet welches auf der einen wie der anderen Seite existiert. Gleichzeitig zeigt dieser Film aber auch das wahre Leben und viel Gefühl. Umwerfende Situationskomik, eine stimmige Handlung, tiefgehende emotionale Ansprache und eine glänzende Besetzung bis in die Nebenrollen machen diesen Film zu einem vergnüglichen Genuss, der einem noch lange in Erinnerung bleibt.

Sonntag, 20. März 2011

Maurice

Diese Litheraturverfilmung von James Ivory nach dem gleichnahmigen Roman von E.M. Foster zählt wohl mit zu den mitreissendsten und anrührendsten Filmen des schwulen Kinos. Besetzung, Ausstattung, Musik, Inszenierung, alles passt perfekt zusammen und machen diesen Film zu einem Meisterwerk der Filmkunst. Die hervorragenden Leistungen der Darsteller, allen voran James Wilby und Hugh Grant in einer seiner ersten Filmrollen tun ihr übriges. "Maurice" ist eine herzzerreissende und rührende Liebesgeschichte zweier Männer im England des vorletzten Jahrhunderts, zu einer Zeit als Homosexualität gesellschaftlich noch geächtet war und mit Zuchthaus bestraft wurde. Ein Film der nicht nur dem schwulen Zuschauer tief unter die Haut geht und noch lange in Erinnerung bleibt.

Freitag, 18. März 2011

Shortbus

"Shortbus" ist in jeder Hinsicht ein ganz aussergewöhnlicher Film über die Suche von uns allen nach Zweisamkeit und dem bisschen Glück, das man in den Armen eines anderen finden kann. Wer diesen Film sieht käme niemals auf den Gedanken dass es sich dabei um eine Low-Budget-Produktion handelt, die auf 16mm gedreht wurde. John Cameron Mitchel verwendet in seinem  Film auch einige Hardcoreszenen, die jedoch keineswegs platt und sexistisch wirken.  Im Gegenteil. Mitchell hat die Darsteller nach ihren persönlichen Vorlieben gecastet und sie dementsprechend charakterlich gezeichnet. So wirken die Hardcoreszenen auch in keiner Weise erzwungen, sondern recht authentisch und natürlich. Die Darsteller sind sehr überzeugend und um Realismus bemüht. "Shortbus" ist ein aufrichtiger, ein guter Film - nur prüde sollte man nicht sein, wenn man ihn sehen will.

Sonntag, 13. März 2011

Wiedersehen mit Brideshead

"Wiedersehen mit Brideshead" ist eine opulente Adaption eines der erfolgreichsten britischen Romane des 20. Jahrhunderts. Mit einer hochkarätigen Starbesetzung erzählt Regisseur Julian Jarrold, der in Sachen Litheratur-verfilmung kein unbeschriebenes Blatt ist, von verbotener Liebe und dem Verlust der Unschuld. Hervorragend in Szene gesetzt kann man nach Herzenslust in traumhaft schönen Bildern schwelgen, aber auch die schauspielerischen Leistungen der Darsteller (Emma Thompson, Michael Gambon, Matthew Goode, Ben Wishaw)  lassen nichts zu wünschen übrig. Betörende, schwelgerische Landschafts- und Kostümbilder runden diesen Film ab, der beim Internationalen Filmfestival in Locarno 2008 als Eröffnungsfilm gezeigt und mit dem Prädikat "besonders wertvoll" ausgezeichnet wurde.

Donnerstag, 10. März 2011

Loggerheads - OmU

Mit "Loggerheads" erzählt Regisseur und Drehbuchautor Tim Kirkman eine tief unter die Haut gehende Familiengeschichte vor der Kulsse der idyllischen Kleinstadt von Kure Beach, North Carolina. Dem Regisseur gelingt es dabei auf anrührende Weise, die Schicksale der drei Hauptfiguren unabhängig voneinander zu schildern und auch die Fehlentscheidungen zu thematisieren, die ihr jeweiliges Leben in den vergangenen Jahren bestimmt haben. Kirkman und sein deutscher Kameramann Oliver Bokelberg finden eine ganze Reihe eindrucksvoller Einstellungen zur Bebilderung dieser Lebensgeschichten. Untermalt werden die starken Sequenzen von den melancholisch-anrührenden Stücken der Folk-Sängerin Patty Griffin und des Scorekomponisten Mark Geary.. Loggerheads wurde auf einigen Festivals präsentiert und gewann dreimal den Preis für den besten Spielfilm.