Mittwoch, 26. Dezember 2012

The Boys Of St. Vinvent - Schrei nach Hilfe (Teil1)

Der kanadische TV-Zweiteiler ist inspiriert von einem wahren Fall. In einer beklemmenden Darstellung werden die Mechanismen aufgezeigt, wie die Allmacht der Kirche zusammenwirkt mit der krankhaften Verirrung der dort Freiraum findenden Triebtäter und der Hilflosigkeit der ihnen ausgelieferten Kinder. Der mehrfach ausgezeichnete Film behandelt das leider sehr aktuelle Thema um die Misshandlung von Schutzbefohlenen hinter den dicken Mauern von Kircheneinrichtungen. Regisseur John N. Smith hat die Geschichte sehr sensibel in Szene gesetzt und ein beängstigendes Psychogramm des Täters zusammengestellt. In schwer zu ertragenden Szenen wird der Zuschauer mit den Grausamkeiten konfrontiert, die dem kleinen Kevin durch Bruder Lavin angetan werden. Entstanden ist ein beklemmender TV-Zweiteiler, der keinen Zuschauer kalt lässt.



Sonntag, 16. Dezember 2012

The Houseboy - Drei sind zwei zuviel (OmU)

"The Houseboy" ist eine Very-Low-Budget-Produktion, die sich authentisch und realitätsnah auch mit dem Thema Einsamkeit und Depression eines homosexuellen, jungen Mannes auseinandersetzt. Der Indie-Streifen spielt bezeichnender Weise ausgerechnet in der Weihnachtszeit. Erzählt wird die Geschichte eines Jungen Mannes, der als "Spielzeug" eines langjährigen schwulen Paares von seinen Liebhabern über Weihnachten in deren Wohnung als Housesitter zurückgelassen wird. Entstanden ist eine liebenswerte, warmherzige Geschichte, welche die Suche des jungen Mannes nach Freundschaft und Nähe erzählt. Die jungen, unverbrauchten Darsteller liefern einige für die Altersfreigeabe ungewöhnlich freizügige Szenen, letztendlich ist "The Houseboy" aber doch ein Film, der durch seine Realitätsnähe zu Herzen geht.



Dienstag, 4. Dezember 2012

Permanent Residence (OmU)

Mit dem autobiographisch gefärbten Film "Permanent Residence" lotet Regisseur Scud (alias Danny Cheng Wan-Cheung) die Beziehung zwischen einem Homosexuellen und einem Hetero aus. Die beiden heissen Windson und Ivan, oder chinesisch Wind und Wolke. Ivan ist Scuds Alter Ego und wird vom heterosexuellen Newcomer Sean Li verkörpert. Die beiden Hauptdarsteller präsentieren sich hüllenlos von vorne - etwas, was im Hongkong-Kino nicht gerade alltäglich ist. Doch nackte Männer alleine machen freilich noch keinen Film. Im Zentrum steht vielmehr die einseitige Liebe des einen und die neckische Freundschaft des anderen. Daraus entsteht Verlangen und homoerotisches Knistern. Zudem sorgt diese Körperlichkeit dafür, dass "Permanent Residence" von Beginn weg einen narzisstischen Unterton hat.



Donnerstag, 22. November 2012

Noordzee Texas (OmU)

Bavo Defurnes Spielfilmdebüt ist "kein hartes Sozialdrama über einen vernachlässigten Jungen". Der belgische Regisseur will "die Zuschauer durch Schönheit berühren". Und das gelingt ihm auf nahezu magische Weise. Held der Geschichte ist der 15-jährige Pim, der sich in den attraktiven Nachbarsjungen Gino verliebt, während er von seiner Mutter - einer früheren Schönheitskönigin, die nachts in Kneipen Akkordeon spielt und sich mit den Gästen amüsiert - oft allein gelassen wird. Die Bilder dieses zarten, im stimmungsvollen Retro-Look inszenierten Films erinnern in manchen Szenen an amerikanische Roadmovies. In der behutsamen Inszenierungsweise Defurnes, und seinem unverkennbarem Blick für schöne Details und ausdrucksstarke Bilder, ein wunderschöner Coming-Out-Film.


Sonntag, 18. November 2012

Michael

"Michael" ist ein ruhiger, präziser Film, der ein unglaublich schwieriges Thema aufgreift und es nahezu perfekt umsetzt. Markus Schleinzer gelingt es ausgezeichnet den Zuseher in die Welt eines Pädophilen zu versetzen. Es ist ein bitteres, schwermütiges und ganz schwieriges Thema dessen sich "Michael" annimt. Und genau als solches inszeniert es Markus Schleinzer auch. Er versucht nicht etwas zu vereinfachen oder aufzulockern, was man bei diesem Thema auch einfach nicht darf. Deshalb ist "Michael" naturgemäß auch kein einfacher Film. Es ist ein bittere Pille, die nicht unbedingt leicht zu schlucken ist, aber gerade in Anbetracht seiner subtilen Kraft und seiner nachhaltigen Wirkung ist Michael ein äußerst lohnender und bewegender Film, der auch lange nach dem Ende des Abspanns noch nachhallt.



Freitag, 16. November 2012

Das flüstern des Mondes

Das Flüstern des Mondes versucht die Grenzen der herkömmlichen Bildgestaltung zu erweitern. So greift der Erzähler Jannis in das Geschehen auf der Leinwand ein. Er zeichnet auf den Film, streicht und radiert Bildelemente aus, spult ganze Szenen zurück und beginnt ihre Erzählung erneut. Indem er Elemente eines Computerschnittprogrammes in die Handlung einbezieht, verlässt der Film die Ebene der passiven Illusion und ermöglicht dem Betrachter den Film "mitzuerschaffen". Verspielt, subversiv, funkelnd – „Das Flüstern des Mondes“ ist ein visuell atemberaubender Film, wie es ihn noch nie gegeben hat: er verschmilzt Formate, Erzählperspektiven und nackte Haut und erzählt so eine äußerst verführerische Geschichte – verlockend sexy. Reich dekoriert mit allerlei schwulen Filmpreisen ein sicherer Tipp für den homosexuellen Filmfreund.



Montag, 12. November 2012

Happy Together (OmU)

Auch mit dem Nachfolger seiner Großstadt-Ballade "Fallen Angels" beweist Wong Kar-wai, daß er gegenwärtig einer der aufregendsten Regisseure im Filmgeschäft ist. Für die Homosexuellen-Lovestory, inspiriert von Manuel Puigs "Buenos Aires Affair", verließ der Hongkong-Chinese erstmals seine Heimatstadt, um in Argentinien, vor allem in Buenos Aires, neue Ansatzpunkte für seine filmischen Fangblicke zu suchen und zu finden. Ausgezeichnet für die beste Regie auf dem Cannes-Filmfestival schildert Regie-Wunderkind Wong Kar-Wai einfühlsam die Höhen und Tiefen der Beziehung zweier gegensätzlicher Charaktere. Kameramann Christopher Doyle unterstreicht dazu mit ausdrucksstarken Bildern und einer aussergewöhnlichen Beleuchtung und Farbgestaltung die Intensität dieser Perle des Hongkong-Kinos.


Donnerstag, 1. November 2012

Grande École - Sex ist eine Welt für sich

Grande École, das Regiedebut von Robert Salis zeigt die sexuelle Orientierungssuche unter den jungen Heranwachsenden der besseren Gesellschaft, aber auch soziale Diskrepanzen, kulturelle Klüfte und mangelnde Chancen-gleichheit sind die Themen einer charmant und handwerklich sauber in elitäre Kulisse gegossenen Studentenromanze der größtenteils gleichgeschlechtlichen Art. Wenn die jungen Gentlemen einander nicht gerade beflirten, werden wortreich allerhand brisante Probleme erörtert. Man leidet mit Paul mit, auf der Suche nach seiner Identität im sexuellen und politischem Bereich, und fühlt buchstäblich seine Zerissenheit zwischen der Liebe zu seiner Freundin und seinem Verlangem nach Männern. Ein Film den man sich nach dem ersten Mal gleich nochmal anschauen möchte..


Donnerstag, 25. Oktober 2012

Seeing Heaven (OmU)

Die Filmzeitschrift "SISSY" schreibt dazu: "Seeing Heaven ist das Verkopfteste, was im Moment zu haben ist." Damit ist im Prinzip schon alles gesagt, denn verkopft ist der Film in der Tat. Er macht es einem auch nicht gerade leicht, aber wenn man sich tatsächlich auf die Geschichte einlässt, dann hat er wirklich einige starke Momente und kann durchaus überzeugen. Leider gelingt das nicht über die ganze Laufzeit, denn die eigentlich gute Idee der Suche des jungen Paul nach sich selbst, wurde nicht sehr glücklich umgesetzt. Der junge Hauptdarsteller ist optisch gut besetzt, aber er wirkt immer ein bisschen zu statisch, wirkliche Emotionen nimmt man ihm nicht so recht ab. Was den Film rettet, das sind die Darsteller, die zwar nicht unbedingt durch ihre Schauspielkunst auffallen, aber dafür sehr sympathisch sind.


Mittwoch, 17. Oktober 2012

Herzensbrecher - Les amours imaginaires

"Herzensbrecher" ist das Nachfolgewerk des von  den Kritikern auf den Filmfestspielen in Cannes 2009 hochgelobten Werkes "I KIlled My Mother" des jungen, francokanadischen Ausnahmetalents Xavier Dolan, der auch in diesem Film wieder mit Hauptrolle, Regie, Drehbuch, Produktion und Kostümdesign alle Schlüsselpositionen übernahm, und das mit gerade mal 21 Jahren. Dabei fängt Dolan die kleinen und großen Blamagen des Verliebtseins, und das Balzverhalten junger Großstädter in unglaublich ausdrucksstarken und witzig peinlich entlarvenden Bildern ein. Alles in "Herzensbrecher" ist Oberfläche, Glamour, Style, Kitsch und stets wunderhübsch anzusehen. "Les amours imaginaires" ist intelligentes, junges Kino, und man wünscht sich, dass dieser junge Mann namens Xavier Dolan noch etliche weitere Filme dreht.


Samstag, 13. Oktober 2012

Parada

"Parada" war 2011 ein Riesenerfolg auf dem Balkan. Mit seiner gesellschaftskritischen Komödie zog der serbische Regisseur Srdjan Dragojevic dort über 500.000 Zuschauer in die Kinos, und das, obwohl Homosexualität in Serbien alles andere als toleriert ist.  "Parada" handelt von einem schwulen Paar, das in Belgrad trotz massiver Widerstände durch rechte Schläger, aber auch von staatlicher Seite, eine Gay Pride Parade abzuhalten versucht. Dass ausgerechnet ein brutaler Kriegsveteran zum Garanten ihrer Sicherheit wird, gehört zu den vielen absurd-komischen Wendungen des Films. „Parada" ist vollgestopft mit politischen Anklagen und versetzt mit reichlich grenzüberschreitend-schwarzem Humor, ganz ohne das sonst übliche Gutmenschen-Pathos vieler westlicher Problemfilme.


Freitag, 5. Oktober 2012

Amphetamin (OmU)

In seinem dritten und gewohnt bildgewaltigen Spielfilm zelebriert Hongkongs kontroverser Regiekünstler Scud  vor eleganten City-Kulissen eine einfühlsame Liebesgeschichte zwischen zwei schönen, jungen Männern, die außer erotischem Verlangen füreinander zunächst wenig zu verbinden scheint. Psychosen, Drogen und Todesfälle schaffen  Dramatik, Stürze aus großer Höhe sind die Metapher der Stunde, und die verspielte Inszenierung verträgt sich gut mit der verträumten Note des Films. Die Atemlosigkeit, mit der Scud von den brüchigen und hybriden Existenzen erzählt, transportiert vor allem ein Lebensgefühl – das der Rauschhaftigkeit und Vergänglichkeit, der Flexibilisierung als Folge der Globalisierung, die aus allen Menschen Mischwesen macht, die sich beinahe jeder Identität und Identifizierbarkeit entziehen.


Mittwoch, 26. September 2012

Ausente (OmU)

Regisseur Marco Bergers Film ist ein einfühlsames Drama mit gleichzeitiger Thriller-Qualität. Die Angst, dass die gemeinsame Nacht von Schüler und Lehrer – auch wenn in dieser nichts passiert ist – bekannt werden würde, und die Unsicherheit gegenüber dem Verhalten, Ahnen und Empfinden des anderen hängen permanent in der Luft und lassen die Figuren nicht aufatmen. Häufig folgt die Kamera Martins Blick, wenn er unauffällig in der Umkleidekabine des Schwimmbades seine Mitschüler beim Duschen und Umziehen beobachtet oder den Augenkontakt zu seinem Lehrer Sebastián sucht. Die Geschichte ist dramaturgisch wie schauspielerisch hervorragend umgesetzt, wobei sich der Film insbesondere durch seine Filmsprache und einen einzigartigen Soundtrack auszeichnet.



Donnerstag, 20. September 2012

I Killed My Mother (J' ai tué ma mère)

Xavier Dolan liefert mit diesem Film ein beeindruckendes Debüt. Der erst 20- jährige Frankokanadier hat nicht nur das Drehbuch geschrieben, Regie geführt und den Film produziert, er spielt sich auch gleich noch selbst als wilden, 17 jährigen Jungendlichen. Dolan beweist dabei sehr viel Gespür für seine Figuren.  Dolan erzählt die Geschichte auf eine sehr eindringliche und ehrliche Weise. Um die Geschichte zu erzählen hat Dolan unglaubliche Bilder gefunden. Der ganze Film ist wunderschön fotografiert und weckt eine passende, bedrückende Stimmung. Ein grosses Lob gebührt auch den Schauspielern, allen voran Xavier Dolan, der mehr oder weniger sich selbst spielt, findet er dabei doch ein gelungenes Mass aus Ekelpaket und Identifikationsfigur.





Samstag, 15. September 2012

Dahmer (OmU)

Der Film "Dahmer", der keineswegs eine authentische Verfilmung des berühmten Schlächters sein möchte, lässt sich von der bestialischen Biografie nur wenig beeindrucken und zeigt den Killer Dahmer als Menschen, der den Zwang zu Töten für sich entdeckt, vorerst aber wie jeder normal erscheinende Mensch agiert und von seinem ersten Mord, der als eine Mischung aus Verzweiflungstat und Unfall dargestellt wird, sichtlich angewidert ist. "Dahmer" ist eher die Charakterstudie eines kranken Menschen, und nicht so sehr ein Horrorthriller, trotzdem hat der Film etwas verstörendes. Einerseits hat man Mitleid mit Jeffrey, trotzdem bleibt er das kranke Monster, das man verabscheut. Diese Balance zu finden war sicher nicht einfach, wurde jedoch von Hauptdarsteller Jeremy Renner hervorragend und glaubwürdig umgesetzt.


Mittwoch, 12. September 2012

Eine außergewöhnliche Affäre

Vor vielen Jahren schockierte Wolfgang Petersen die Fernsehnation mit einem Film, in dem zwei Männer offen ihre homosexuellen Neigungen auslebten. Das war 1977, der Film hieß "Die Konsequenz" und sorgte für einen veritablen Skandal. Die Zeiten haben sich geändert. Für einen kommerziellen Sender wie SAT-1 ist die Geschichte des scheinbar rundum glücklichen Familienvaters, der sein homosexuelles "Coming out" reichlich spät erlebt, trotzdem ungewöhnlich. Regisseurin Maris Pfeiffer inszeniert den Film in ruhigen, langen Einstellungen. Herausragend unter den überzeugenden Darstellern ist neben Tatjana Blacher vor allem Hans-Werner Meyer in der Rolle des vermeintlich Verführten. Ein ungewöhnlicher Film, dessen konsequentes Ende nicht den gängigen Erwartungen entsprechen dürfte

Sonntag, 2. September 2012

Trick

"Trick“ gleicht einer klassischen Screwball-Kömödie und war damit einer der ersten schwulen Filme, der leichtfüßig das Datingverhalten der Großstädter porträtierte, statt die ewig mit Homosexualität verbundenen Themen von Aids und sozialen Problematiken zu zeigen. "Trick“ ist ein Zeugnis davon, dass sich das schwule (Selbst-)Bild in den 90ern geändert und sich Homosexualität nach langer Zeit der Verleumdung und später der Quotenschwulen zu einer Normalität im Film entwickelt hat. Die beiden Hauptdarsteller, Christian Campbell (Gabriel) und John Paul Pitoc (Mark) sind nicht nur niedlich anzusehen, sie spielen ihre Rollen zudem sehr glaubwürdig. Trick ist eine zu Herzen gehende, romantische Komödie ohne moralischen Zeigefinger oder Anzüglichkeit.

Sonntag, 26. August 2012

3-Day Weekend

"3-Day Weekend" erzählt gleich mehrere Geschichten ineinander. Dass das funktioniert, ist vor allem Regisseur und Drehbuchautor Rob Williams zu verdanken, der es versteht, seine vielschichtige Geschichte gekonnt zu erzählen, ohne dass ein Erzählstrang zu kurz kommt. Eine anerkennenwerte und nicht zu unterschätzende Leistung, denn viele Geschichten parallel zu erzählen ist in der Theorie vielleicht noch einfach, die Umsetzung muss am Ende jedoch stimmig sein, was zu allererst im Kopf des Regisseurs stattfindet. In "3-Day Weekend" findet sich nahezu jeder Beziehungsaspekt wieder: Liebe, Frust, Treue, Verlust, AIDS,... So kann aus dieser Geschichte jeder genau das mitnehmen, was für ihn im Leben am Wichtigsten erscheint.


Sonntag, 19. August 2012

The Conrad Boys (OmU)

Der charismatische Hauptdarsteller, Regisseur, Produzent, Cutter und Drehbuchautor Justin Lo (Charlie) hat mit "The Conrad Boys" einen wundervollen, bewegenden Film geschaffen. Das Debüt des Amerikaners ist ebenso eindrucksvoll, wie authentisch geworden. Die schauspielerichen Leistungen von Justin Lo überzeugen ebenso wie die seines Filmpartners Boo Boo Stewart (Jordan). Auch die Geschichte ist ergreifend, die Bilder mit sicherer Hand eingefangen und die Handlung konsequent und kurzweilig erzählt. Schwulsein ist hier kein Problem, sondern akzeptiert und wird als selbstverständlich behandelt. The Conrad Boys ist letztendlich berührendes und überzeugendes, schwules Kino geworden und lief auf zahlreichen Filmfestivals, u.a. auf dem Gay & Lesbian Film Festival San Francisco, Philadelphia und in New York.

Mittwoch, 15. August 2012

Breakfast on Pluto

"Breakfast on Pluto" ist Neil Jordans brillante Verfilmung des gleichnamigen Romans von Patrick McCabe aus dem Jahr 1998. In über dreißig Kapiteln erzählt Jordan die Geschichte des Transvestiten Patrick „Kitten“ Braden, - genial gespielt von Cillian Murphy - der 1958 in dem erzkatholischen, nordirischen Städtchen Tyreelin zur Welt kam, und der fortan stetig darum kämpfte, er selbst sein zu dürfen. Unter die bunten Bilder und Kostüme der Glam-Rock-Zeit mischt Jordan dann noch einige politische Statements gegen den brutalen Krieg der Nordiren und nette Popsongs wie "Sugar Baby Love" von den Rubettes, "You're such a Good Looking Woman" von Joe Dolan oder das Titel gebende "Breakfast on Pluto" von Don Partridge. Die Melange aus Anzüglichkeit, Politik und Pop verspricht vergnügliche Unterhaltung.

Dienstag, 14. August 2012

Antonios Geheimnis (OmU)

Antonios Geheimnis spielt in den Straßen von Marikina City auf den Philippinen, und ist ein stimmungsvoll in sehr authentischen Kulissen gedrehtes Low-Budget-Beziehungsdrama. Die Darsteller wurden größtenteils von der Straße gecastet, spielen ihre Rollen jedoch durchweg sehr überzeugend. Kenjie Garcia, der hier den jungen Antonio spielt, hat anschließend im aufstrebenden Filmmarkt der Philippinen etwas Fuß gefasst.  In atmosphärisch dichten Bildern zeigt der Film das (homo)sexuelle Erwachen des 15-jährigen Antonio. Obwohl der Film einige überaus freizügige Sequenzen enthält - so sieht man in einer Szene Antonio onanieren während er den Slip seines Onkels Jonbert übers Gesicht zieht - wirkt der Film nie schmuddelig oder gar pornographisch. Für eine Produktion aus einem erzkatholischen Land bemerkenswert freizügig.

Sonntag, 5. August 2012

Der schönste Tag in meinem Leben


Auf den ersten Blick bilden sie eine vollkommen normale Familie: Großmutter Irene, deren Töchter Sara und Rita sowie Saras Sohn Claudio. Die Frauen sorgen sich ständig um Claudios sexuelle Orientierung, was ihre eigenen Probleme mit der Männerwelt nur noch verstärkt. Voller Zärtlichkeit und Wärme wirft die Regisseurin Cristina Comecini, Tochter des bekannten Filmemachers Luigi Comencini, einen behutsamen und verständnisvollen Blick auf eine typische italienische Großfamilie, die voller Fehler, Schwächen und uneingestandener Begierden und trotzdem unglaublich sympathisch ist. Christina Comencini ist es gelungen, nicht die Familie an sich zum Zentrum ihres Filmes zu machen, sondern deren Gefühle: Liebe, Treue, Zärtlichkeit, Begierde. Sie durchleuchtet das Innenleben ihrer Figuren, stellt sie aber nicht bloß.


Montag, 30. Juli 2012

Romeos - anders als du denkst

Das Thema Transsexualität führt in der breiten Öffentlichkeit und auch im Kino ein Nischendasein. Regisseurin Sabine Bernardi erzählt in ihrem ersten langen Spielfilm „Romeos" einfühlsam von Lukas, der als Miriam zur Welt kam, und dem schwierigem Leben mit dem Wissen, im falschen Körper geboren worden zu sein. „Romeos" ist ein bewegendes Drama über Konflikte und Identitätskrisen, über den Taumel der Gefühle und über wahre Freundschaft. Ein Film wie „Romeos" steht und fällt mit der Glaubwürdigkeit seiner Hauptfigur. Lukas - grandios dargestellt durch den grossartigen Rick Okon - erscheint hier von Anfang an als sympathischer junger Mann und sein Kampf um ein unbeschwertes Leben mit seiner wahren Identität wird geschickt nachvollziehbar gemacht.

Freitag, 27. Juli 2012

Das wahre Leben

Auch wenn Regisseur Gsponer boshaft und mit unverhohlener Freude an der Gewalt das falsche Familienkonstrukt, das Vater Spatz so verzweifelt hochzuhalten versucht, zum Einsturz bringt – im Innersten folgt seine Tragikomödie wie Hans-Christian Schmids "Nach Fünf im Urwald", Ang Lees "Eissturm" und andere Filme des Genres einem therapeutischen Impetus: Die Familie kann nur überleben, wenn sie sich ab und zu selbst zerstört. Ist die Sippschaft nämlich erstmal ruiniert, lebt's sich völlig ungeniert. Dass bei aller Lust an der Demontage genormter Familienmodelle keine der Figuren entstellt wird, sondern dass sie vielmehr noch in ihren groteskesten Verrenkungen als Sympathieträger funktionieren, macht die erstaunlich Reife dieses Nachwuchswerkes aus.

Montag, 23. Juli 2012

Hard Pill - Auf welcher Seite willst du stehen ? (OmU)

Anhand einer Idee, die auch für eine trashige Komödie oder einen Horrorfilm getaugt hätte, macht sich Regisseur John Baumgartner so seine Gedanken über die Situation des Homosexuellen in der freien Gesellschaft und die Versuche, ein besseres Leben im vermeintlich falschen zu finden. Pointierte Dialoge und glaubwürdige Alltagsszenen verleihen der schrägen Prämisse Kraft, und die schauspielerischen Leistungen können sich nicht nur für die Verhältnisse eines schwulen Indie-Dramas sehen lassen. Tatsächlich schafft es Baumgartner nicht nur glaubhaft zu sein, sondern auch mit viel Sensibilität und echten Gefühlen eine ergreifende und authentische Geschichte zu erzählen. Beim Seattle Lesbian & Gay Film Festival wurde John Baumgartner als bester neuer Regisseur für "Hard Pill" ausgezeichnet.

Dienstag, 10. Juli 2012

Buffering - Es wird geladen (OmU)

"Buffering" wurde im Sommer 2010 in nur 12 Tagen in Bristol gedreht, mit kleinem Budget aber offensichtlich viel Enthusiasmus & Spass. Herausgekommen ist eine flotte unterhaltsame Handlung, zum Teil recht trashig, aber nie albern oder gar peinlich. Alle Darsteller sind mehr oder weniger unbeschriebene Blätter, zum großen Teil aber durchaus lecker anzuschauen. Die Altersfreigabe FSK-16 kommt nicht ganz von ungefähr. Gänzlich nackte Tatsachen sind aber spärlich gesät. Der Film wurde im Januar 2011 auf dem schwul-lesbischen Filmfestival “Festival del Sol – Gran Canaria“ mit dem Preis für das beste Drehbuch ausgezeichnet. Es ist der Beweis dafür, dass man aus einem offensichtlich geringen Budget und einer relativ simplen Story einen unterhaltsamen und überraschend gehaltvollen Independent-Film zaubern kann.


Donnerstag, 28. Juni 2012

Le Fil - Die Spur unserer Sehnsucht (OmU)

Auch wenn die Homosexualität Maliks im Mittelpunkt steht, geht es in dem Film von Regisseur Mehdi Ben Attia nicht allein um die Selbstfindung in der gleichgeschlechtlichen Liebe. Viel mehr ist „Le Fil“ ein Werk über das gesamte Leben mit seinen Problemen. Optisch wählte Mehdi Ben Attia bewusst matt gehaltene Farben. So wird grundsätzlich eine beklemmende Atmosphäre gezeugt, die aber auch in den richtigen Szenen aufbricht. So gelingt es „Le Fil“ beispielsweise auch zwischen all den Konflikten nicht die schönen Momente komplett auszuklammern, etwa wenn Malik und Bilal zusammen am Strand liegen. Um eine verstärkte Nähe zu der Handlung mit ihren Protagonisten aufzubauen, setzt Ben Attia stellenweise eine bewusst wackelige Handkamera ein.


Donnerstag, 21. Juni 2012

Der talentierte Mr. Ripley

Wenn die Verfilmung eines Romans von Patricia Highsmith ansteht, steigt bei den Freunden der gepflegten Unmoral der Blutdruck. Vor allem, wenn ihr berühmtestes Werk von 1955, mit Staraufgebot umgesetzt wird. Dass sich Regisseur Anthony Minghella nach seinem Oscar-Abräumer "Der englische Patient" an diese Geschichte wagte, bezeichnet der Filmemacher selbst als "eine perverse Wahl". Insgesamt ist Minghella ein perfekt durchgestylter Psycho-Thriller gelungen, der dank seiner flirrenden Atmospäre vor der großartigen Kulisse Italiens durchweg fesseln und begeistern kann. Großes Kino mit eigentlich geringem Aufwand inszeniert, so kostete "Der talentierte Mr Ripley" nur 40 Millionen Dollar, wobei er allein in den USA schon mehr als das doppelte eingespielt hat. Ein Fest für Geist und Auge.


Freitag, 15. Juni 2012

Faustrecht der Freiheit

Für „Faustrecht der Freiheit“ arbeitete Fassbinder außer mit seinem gewohnten Schauspielerteam zudem mit einigen populäreren Darstellern der Zeit (Karlheinz Böhm, Adrian Hoven, Ulla Jacobsson, Walter Sedlmayr, Brigitte Mira etc.) zusammen. In gewisser Weise stehen sie sich wie die „Proletarier“ und die „Bürgerlichen“ des Films gegenüber. „Faustrecht der Freiheit“ dürfte der am stärksten von seinem großen Vorbild Douglas Sirk geprägte Film Fassbinders sein und kennzeichnet eine beeindruckende und bis heute von kaum einem anderen Filmemacher wieder erreichte Selbstverständlichkeit im Umgang mit Homosexualität. Die neu gewonnene Leichtigkeit hat es Fassbinder ermöglicht, die Beziehung zwischen Franz und Eugen ganz von Fragen nach Homo- oder Heterosexualität zu lösen.


Montag, 11. Juni 2012

Boat Trip

Nach seinem chaotischen Trip in "Snow Dogs" begeistert Oscar-Preisträger Cuba Gooding Jr. nun seine Fans unter der Regie von Mort Nathan mit einer turbulenten Reise ganz anderer Art. In der haarsträubenden Liebes-Klamotte, die kein Schwulenklischee auslässt, gibt er zusammen mit Horatio Sanz deftige Sex-Zoten zum Besten. Dass Hauptdarsteller Cuba Gooding jr. auch charakterstarke Rollen spielen kann, hat er bereits bewiesen. Hier darf man sich köstlich über den Mimen amüsieren, auch wenn seine Figur manchmal Dinge tut, die nicht einmal ansatzweise nachvollziehbar sind. "Boat Trip" gehört sicher nicht zu den Top-Komödien, bietet aber im Rahmen seiner leichten Kost durchaus unterhaltsame Momente. Besonders Roger Moore als "geiler, alter Bock" liefert eine äußerst amüsante Performance ab.


Mittwoch, 30. Mai 2012

Brüderliebe - Le Clan (OmU)

Der französische Schauspieler und Regisseur Gaël Morel inszenierte mit diesem Film ein Porträt dreier Brüder, die in der französischen Provinz ihren eigenen Interessen nachgehen. Aus episodisch miteinander verwobenen Handlungsstränge bestehend und mit blendend aussehenden Hauptdarstellern besetzt, ist "Brüderliebe" ein nie prätentiös wirkendes Drama, das seine Figuren ernst nimmt und klug beobachtet. Mit distanzierter Kamera und einer objektivierenden Erzählweise präsentiert uns der Film realistische Charaktere, die ebenso nuanciert gezeichnet sind wie das Milieu, das sie umgibt. Die starke Körperlichkeit der Schauspieler, wie sie sich in permanenten emotionalen Ausbrüchen zeigt, spielt eine zentrale Rolle. Was nicht mit Worten gesagt werden kann, entlädt sich durch den Körper.


Samstag, 19. Mai 2012

Der verlorene Soldat (OmU)

Dieser Filmklassiker über eine echte Liebesbeziehung zwischen dem 12-jährigen Jungen Jeroen und einem Soldaten gehört zweifellos zu den besten Werken zum Thema homosexueller Pädophilie. Rudi van Dantzigs eindrucksvoller Roman wurde von Regisseur Roeland Kerbosch nahezu 1:1 umgesetzt und besticht durch sanftes Tempo und elegische Bilder, die die Aufregung des Jungen kontrastiv unterstreichen. Kerbosch verpackt in diesem Film auf grandiose Weise ein Tabuthema in einer liebevollen Handlung. Trotz des brisanten Stoffes gleitet Kerbosch - in jedem Moment frei von unnötiger Moralmeierei - niemals ins Voyeuristische oder gar Anrüchige ab und setzt damit ein klares Zeichen für Bande, die zur Liebe zu sanft und für eine einfache Freundschaft zu stark waren.

Mittwoch, 9. Mai 2012

Krámpack - Nico und Dani (OmU)

Die besten Filme über die Pubertät haben keine eindeutigen Lösungen für die durch sie aufgebrachten Gefühlsirrungen. "Krámpack", der von einem gemeinsamen Sommer zweier Jungs an der Costa del Sol erzählt, ist so ein Film. Dani entdeckt erstens, dass er schwul ist und zweitens seine Zuneigung zu Nico, der allerdings so schnell wie möglich zum ersten Mal mit einem Mädchen schlafen will. Der Film ist dabei durchweg witzig, sensibel und stattet seine Helden mit einer authentischen Unsicherheit aus. Der Spanische Regisseur Cesc Gay erzählt mit ungewöhnlicher Sensibilität und großem Erfindungsreichtum, eingängiger Musik und zwei fabelhaften und aufrichtig agierenden Hauptdarstellern die bewegende Liebesgeschichte zweier Jungen, die ihre Zuneigung zueinander entdecken.

Samstag, 5. Mai 2012

I Love You Phillip Morris

Ein wirklich beachtlicher Mainstream-Film: eine zarte, skurrile und überaus romantische Komödie, mit zwei Superstars, Jim Carrey und Ewan McGregor besetzt, deren Protagonisten eben zufällig schwul sind. Das Regiedebüt von John Requa und Glenn Ficarra, die zuvor mit "Bad Santa" eines der lustigsten Drehbücher des vorangehenden Jahrzehnts schrieben, erzählen ihre nach wahren Motiven entstandene Geschichte aufrichtig, einfühlsam und mit viel Humor. Und haben zwei Hauptdarsteller, die ihre Parts mit Charme sympathisch spielen. Im Grunde ist “I Love You Phillip Morris” eine herkömmliche romantische Komödie mit ernsterem Einschlag. Bloss handelt es sich bei den beiden Liebenden um zwei Männer. Jim Carrey war sichtlich Feuer und Flamme für seine Rolle und lieferte ein schillerndes und facettenreiches Spiel.

Montag, 30. April 2012

Little Ashes

"Little Ashes" ist ein Drama über den berühmten Künstler Salvador Dalí des Regisseurs Paul Morrison (Davids wundersame Welt).  Zentrales Thema des Films ist die homosexuelle Neigung Dalís. "Little Ashes" ist großartiges Gefühlskino. Ein packendes Drama, welches mit den Gefühlen der Darsteller jongliert, ohne dabei kitschig zu werden. Großartige musikalische Untermalung rundet das Werk ab. Die realistischen Akzente Dalís bei seinen Aufenthalten u.a. in Paris machen den Film besonders authentisch. Besonders die Darsteller Robert Pattinson (hat in diesem Film seine erste Nacktszene) und Javier Beltran mit ihrer einfühlsamen Spielweise, die den Zuschauer das Knistern, die Verunsicherung, die Glückseligkeit und die Enttäuschung zwischen den beiden packend miterleben lässt, zeichnen den Film aus.

Mittwoch, 25. April 2012

Sascha

Ein Teil Culture Clash, ein Teil Coming-out, ein wenig Drama, ein wenig Komödie - nicht unbedingt eine einfache Mischung, die Dennis Todorovic für seinen Debütfilm wählte. Doch die Geschichte des montenegrinisch-stämmigen Kölners Sascha, der seine sexuelle Neigung aus Angst verheimlicht, war ihm eine Herzensangelegenheit: "In den Ländern des ehemaligen Jugoslawien, aber auch unter den Einwanderern aus diesen Ländern in Deutschland steckt die Auseinandersetzung mit dem Thema Homosexualität noch in den Kinderschuhen und ist von Ignoranz und Gewalt gezeichnet", erklärt der Jungregisseur, der selbst montenegrinische Wurzeln hat. Viele Pluspunkte gibt’s auch für die Musik. Der Balkanpop vom Feinsten lädt immer wieder zum Schmunzeln ein, bleibt er doch nicht bloße Illustration, sondern treibt die Handlung gelegentlich sogar voran.

Dienstag, 24. April 2012

A Single Man

Auf den ersten Blick wirken die Bilder wie aus einem Lifestyle-Katalog, kühl und arrangiert, aber unter der glatten Oberfläche brodeln Emotionen. Ex-Gucci-Designer Tom Ford überrascht mit einem bewegenden Melodram angesiedelt im Los Angeles 1962, das vor allem aus Colin Firth' außergewöhnlicher Performance als schwuler Literaturprofessor seine Kraft zieht. Stilisierung und Ästhetisierung unterstreichen in diesem sanften Porträt die Verlorenheit eines Menschen ohne Erdung, der aus Angst vor Nähe Distanz aufbaut. Eine aus eigenen Erfahrungen gespeiste und sehr persönliche Reflexion über spirituelle Krise, Schattenseiten von materiellem und beruflichem Erfolg und die damit einhergehende psychische Zerrissenheit und Leere des "Single Man". Was bleibt ist Traurigkeit.

Dienstag, 10. April 2012

Between Love And Goodbye (OmU)

"Between Love and Goodbye" von Regisseur und Drehbuchautor Casper Andreas erzählt in einem packenden Drama die Chronik einer Liebe und was daraus werden kann. Die Geschichte einer grossen, scheinbar unerschütterlichen Liebe, welche am Ende doch in einem erbarmungslosen Rosenkrieg endet. Das besondere an dem Film ist, dass die beiden attraktiven Hauptdarsteller in ihren Rollen immer noch ein wenig tiefer fallen, als man es für möglich gehalten hätte. Man fragt sich unwillkürlich, wie weit jeder der beiden noch gehen wird, um dem anderen zu schaden, und hält am Schluss unwillkürlich die Luft an. Unterlegt ist der Film mit einem tollen Indie-Pop-Soundtrack, dargeboten durch Auftritte der Band eines der Hauptfiguren, mit sehr persönlichen Songs, die einen sehr direkten Bezug zu der Geschichte haben.

Freitag, 6. April 2012

Ein Zuhause am Ende der Welt

"Ein Zuhause am Ende der Welt" ist eine einfache und doch ungewöhnliche Geschichte über das Leben und die Liebe. Regisseur Michael Meyers erstes filmisches Werk nach erfolgreichen Broadway-Produktionen, hat die richtigen Schauspieler, das richtige Erzähltempo und den richtigen Ton getroffen. Die Geschichte ist nicht nur mit herrlichen Dialogen gespickt, sondern von Mayer auch großartig erzählt. Hier ist ein richtig toller Film entstanden, der sich von der Masse abhebt, teils durch die vielen herausragenden Darsteller, sei es nun Dallas Roberts, Robin Wright oder Sissy Spacek als auch durch eine stimmige und gefühlvolle Inszenierung. Grossartig ist auch der sehr liebevoll zusammengestellte Soundtrack mit Songs von Jefferson Airplane, Leonard Cohen, Bob Dylan, Bruce Springsteen, Paul Simon etc.

Samstag, 31. März 2012

Lucky Bastard (OmU)

Lucky Bastard ist eine kribbelnde, sinnliche und aufreizende Erkundung jugendlicher Indiskretionen, lüsterner Hingabe und des hohen Preises körperlicher Anziehung. Gefühle und Fallen, die jeder kennt, der schon einmal aus den richtigen Gründen in den falschen Typen verknallt war. Die Geschichte einer leidenschaftlichen Beziehung inmitten von Hinterzimmer-Bars und billig-schäbigen Motelzimmern des modernen Los Angeles. Die miese Rolle des drogenabhängigen Denny ist vom Darsteller recht überzeugend umgesetzt. Insgeheim zieht man Parallelen, wann und wo man schon einmal mit ähnlichen Charakteren zu tun hatte und wohlmöglich selber auf sie hereingefallen ist. Die anfängliche Naivität von Rusty tut manchmal schon weh, ist aber aufgrund seines Verliebtseins ein gutes Stück auch nachvollziehbar.

Dienstag, 27. März 2012

Cachorro - Der Club der Bären

Miguel Albaladejos freche Tragikomödie Cachorro ist ein durchaus gelungener und unterhaltsamer Film über die Nöte einer unverhofften Vaterschaft und die mannigfaltigen Probleme, die dies mit sich bringt. Während der Großteil von Cachorro von einer sehr humorvollen Note geprägt ist, werden zunehmend auch die ernsten Aspekte des Lebens wie Krankheit und Tod angesprochen. Albaladejo betont jedoch nicht die tragische Komponente dieser Themen, sondern stellt sie als notwendigen Teil des Lebens dar, wodurch sie sich in die lebensbejahende Gesamtwirkung des Films einfügen. Auf zahlreichen internationalen Filmfestivals ausgezeichnet und nominiert, sorgt diese herzerfrischende Generationenkomödie nicht nur beim homosexuellen Publikum für beste Laune.

Mittwoch, 21. März 2012

Du sollst nicht lieben - Eyes Wide Open

"Du sollst nicht lieben" ist dabei ein Film, der die ganze Welt angeht, vor allem aber wohl die meisten (wenn nicht gar alle) Religionen: die Ausgrenzung von Andersdenkenden und -liebenden wird gerade in einem streng religiösen Umfeld auch heute noch weltweit praktiziert. Regisseur Haim Tabakman erzählt dieses Drama in strengen, kühlen Bildern von großer Schönheit. Lange, stumme Blicke, Schattenwürfe an der Wand, Treppen ins Nichts, die Enge der Gassen, in denen sich Gewalt anstaut. Die traumhaften Bilder entstehen durch eine strenge Stilisierung. Alles Zufällige in den Kulissen lässt der Film weg. Der Regisseur dirigiert durch spärliche Kulissen eine ganze Reihe hervorragender Schauspieler, die das Handwerk kleiner Gesten und vielsagender Blicke verstehen.

Montag, 19. März 2012

The Fruit Machine - Rendezvous mit einem Killer

Nachdem „The Fruit Machine“ 1988 in den Kinos lief und in den frühen 90ern auf VHS veröffentlicht wurde, verschwand der Thriller über ein Jahrzehnt von der Bildfläche. Erst 2009 bekam der Film die Chance sich neu zu beweisen und hat seitdem Kultstatus erreicht. Einem bestimmten Genre lässt sich der Film kaum zuweisen, er ist von allem etwas: Satire, Coming out, Coming of Age, Roadmovie, Sozialdrama, Lovestory und Thriller.  Getragen vom suggestiven Synthesizer-Soundtrack von Oscar-Preisträger Hans Zimmer wird der Cocktail aller Zutaten kräftig geschüttelt und trocken serviert, Auf jeden Fall ist The Fruit Machine eine Sternstunde des schwulen Kinos, pfiffig, stylish, verrückt - und unverschämt liebenswert, so wie seine beiden jungen Helden, ein Traumpaar der Kinogeschichte.

Montag, 20. Februar 2012

Die Jungs vom Bahnhof Zoo

Der wertfreie und unverfälschte Blick in die Berliner Stricher-Szene, in einschlägige Bars und Pornokinos, an den Straßenrand, auf psychische Probleme, Drogen und Aids macht „Die Jungs vom Bahnhof Zoo" trotz seiner konventionellen Machart sehenswert. Die Perspektive der oft älteren Freier spart Rosa von Praunheim dabei nicht aus.  In zahlreichen HD-Großaufnahmen und Interviewsituationen kommt Praunheim seinen Protagonisten näher. Fernab von Klischees lässt er verschiedene Perspektiven zu, ohne eine einseitige Didaktik oder eine moralische Wertung zu verfolgen. Das Schicksal der Stricher schreibt ihnen nicht automatisch eine Opferrolle zu – alle Interviewten berichten von unschönen, aber auch von lohnenden Erfahrungen in ihrer Zeit auf dem Strich, wobei das Hauptmotiv durchweg das „schnell verdiente Geld" ist.

Donnerstag, 16. Februar 2012

Männer, Helden, schwule Nazis

Der Film porträtiert schwule Männer, die offen rechts sind, Aussteiger, die von ihrer Faszination für Uniformen und Männerrituale erzählen. Er blickt auch zurück und berichtet von den schwulen Nazis von gestern. Der Regisseur Rosa von Praunheim: »Für manche Zuschauer wird es schockierend sein, dass ich in meinem Film selbst nicht Stellung nehme, dass ich schwule Neonazis nicht als Monster darstelle, sondern als Menschen, die einen großen Widerspruch leben. Prof. Rüdiger Lautmann beantwortet in meinem Film diesen Widerspruch am schlüssigsten: "Schwule wurden immer verfolgt, in allen Parteien, allen Religionen und Gesellschaften. Deshalb ist es kein Grund für Schwule, sich nicht rechten Gruppierungen anzuschließen, denn die Angst, entdeckt und bestraft zu werden, war und ist fast überall gleich" «   


Dienstag, 14. Februar 2012

Nicht der Homosexuelle ist pervers sondern die Situation in der er lebt

Der von Rosa von Praunheim im Auftrag des WDR gedrehte Film sorgte bei seiner Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen am 31. Januar 1972  für erhebliches Aufsehen. Die vorgesehene parallele Aufführung bei der ARD wurde kurzfristig unter dem Vorwand abgesagt, gerade die Homosexuellen selbst schützen zu wollen. Die ARD strahlte den Film erst ein Jahr später am 15. Januar 1973 im 1. Programm aus, woraufhin sich der Bayerische Rundfunk aus dem gemeinsamen Programm ausklinkte. Der Film setzt sich kritisch mit der Situation der Schwulen in den 70er Jahren auseinander und nimmt den Zuschauer mit auf eine skurile Zeitreise in die damalige schrille Subkultur. Besonders jüngeren sei dieser Film empfohlen, ein wichtiges Zeitdokument für die Zeit nach dem 1. September 1969 als die Liberalisierung des §175 StGB in Kraft trat.


Sonntag, 12. Februar 2012

Strapped (OmU)

Strapped ist eine Low-Budget-Produktion, der Film spielt durchgehend in einem Appartementhaus und kommt mit wenigen Darstellern aus. Trotzdem hat Regisseur und Drehbuchautor Joseph Graham es geschafft mit Strapped einen ganz außergewöhnlichen Film zu schaffen, der an Authentizität und Tiefgründigkeit seinesgleichen sucht. Die Hauptfigur des Films ist ein junger Stricher, der sich immer wieder andere Namen gibt, mal Alex und mal Eddie heisst, und scheinbar ein junger heterosexueller Mann ist der für Geld alles tut. Zwar gibt es auch einiges an nackter Haut zu sehen, das aber nur nebenbei, viel wichtiger ist die Botschaft einen Weg in seinem Leben finden zu müssen. "Strapped" hat im Englischen mehrere Bedeutungen. Es kann "knapp bei Kasse" heißen, was durchaus passen würde, oder aber auch "festgebunden".


Montag, 30. Januar 2012

Boys Love

„Boys Love“ – zu Deutsch: Jungenliebe – ist in Japan die Bezeichnung für Manga, Anime und Romane, die sich mit der Liebe zwischen männlichen Protagonisten befassen. Kein anderes Genre hat sich in den letzten Jahren so hervorgetan, wie eben dieses, das im europäischen Sprachraum unter dem Namen „Shonen Ai“ bekannt wurde. 2006 nahm sich Kotaro Terauchi des Themas an und drehte mit ausgesprochen wenig Budget einen wunderschönen Film, der sich mit der mangatypischen Liebe zwischen zwei jungen Männern auseinandersetzt. Autor und Regisseur Kotaro Terauchi gelingt es perfekt die charakteristische Atmosphäre des Manga-Genres einzufangen. Auch seine beiden Hauptdarsteller Yoshikazu Kotani und Takumi Saito können durchaus überzeugen.

Donnerstag, 19. Januar 2012

BearCity (OmU)

Schlank und haarlos war gestern: Douglas Langways charmante Liebeskomödie "BearCity" lässt einen Helden ein zweites Coming-out erleben und lädt ein in die rätselhafte Welt der schwulen Bärenszene. BearCity ist mal ein etwas anderes, entspannteres schwules Kino. Der Film wurde mit wenig Geld und viel Hilfe aus der New Yorker Szene realisiert; Herausgekommen ist eine Schwulenkomödie, die sich bärtigen, vollschlanken Männern, zwar einer sonst im Film eher vernachlässigten Personengruppe widmet, mittels allseits bekannter Stereotypen aber nahelegt, dass deren Leben auch nicht wirklich anders ist. Es geht natürlich um schwulen Sex - mit teils fast pornografisch anmutenden Szenen - aber auch um die Sehnsüchte nach dauerhafter Partnerschaft und den damit verbundenen Problemen. 


Montag, 16. Januar 2012

Another Gay Sequel - Gays Gone Wild

Nachdem "Another Gay Movie" sich zu einem der erfolgreichsten schwulen Independent- Filme der letzten Jahre entwickelte war schnell klar, dass es eine Fortsetzung geben würde, die nun im tropischen Fort Lauderdale, in Florida spielt. In den Hauptrollen sind wieder die Jungs aus dem ersten Teil zu sehen. Auch in "Gays Gone Wild" geht es wieder um amüsante Verwicklungen und die Suche nach der großen Liebe. Knappe Badehosen, viel nackte Haut und jede Menge Tabubrüche spielen natürlich eine große Rolle. Regisseur Todd Stephens stellt sich zudem die Frage, ob es für schwule Jungs immer nur um das Eine gehe und ob es die wahre Liebe gibt. In einer Nebenrolle ist der bildhübsche Pornodarsteller Brent Corrigan als "Meermann" zu sehen und zeigtdabei beachtliches, schauspielerisches Talent.